«Die Erde ist eine Scheibe», «flach wie ein Teller» und die Frage: «Glauben Sie immer noch, dass die Erde rund ist?». Kommentare dieser Art häufen sich in den Diskussionen zur Artemis-2-Mission, sowohl auf SRF News als auch in sozialen Medien.
Guido Schwarz vom Swiss Space Museum erkennt einen Anstieg des Glaubens an eine flache Erde. «Dieser steht oft im Zusammenhang mit Misstrauen gegenüber Wissenschaft und Autoritäten sowie der Faszination für ‹Geheimwissen›», so Schwarz. Populistische Politik, die Inhalte zugunsten von Aufmerksamkeit zurückstellt, trägt zu dieser Entwicklung bei.
Soziale Medien verstärken diese Dynamik durch ihre strukturelle Offenheit: «Jeder kann heute ungefiltert Inhalte teilen», erklärt Schwarz. Marko Kovic, Sozialwissenschaftler, bemerkt, dass die Artemis-2-Mission als Auslöser für eine Explosion von Flat-Earth-Kommentaren diente.
Obwohl soziale Medien in der EU durch den Digital Services Act reguliert werden, bleiben gewisse Inhalte möglicherweise unkontrolliert. Schwarz vermutet, dass Themen wie der flache Erd-Glaube weniger gefährlich erscheinen als solche, die Demokratie oder Gesundheit direkt beeinträchtigen.
Die Idee einer flachen Erde ist historisch tief verwurzelt und wurde in frühen Kulturen vertreten. «Heutige Flat-Earth-Verschwörungen sind jedoch ein modernes Phänomen», erklärt Schwarz. Die Mondlandung 1969 verstärkte diese Theorien durch Zweifel an wissenschaftlichen Institutionen.
Marc Horat vom Verkehrshaus der Schweiz, Spezialist für Debunking und Faktenchecks, bemerkt eine Zunahme von Wissenschaftsskepsis seit der Corona-Pandemie. «In Krisenzeiten wird die Gesellschaft egoistischer», was eigene Weltbilder fördert.
Eine flache Erde zu glauben, kann Türen zu weiteren Verschwörungstheorien öffnen. Ein Foto von Astronaut Reid Wiseman löste in den sozialen Medien Skepsis aus und führte zu Fragen wie der Belichtungszeit bei Erdfotos.
Guido Schwarz erklärt: «Bei niedriger Belichtung verschwinden Sterne.» Horat ergänzt, dass dies auch bei Apollo-Bildern galt. Die Erde ist 12’742 Kilometer im Durchmesser groß, wodurch kleinere Objekte wie Menschen auf Fotos nicht sichtbar sind.
Die wirkliche Erdform wird als Geoid beschrieben, mit minimalen Abweichungen durch die Schwerkraft. Auf Bildern aus dem All erscheint sie daher gleichmäßig rund.
Warum haben Wolkenformationen oft ein ähnliches Aussehen? Horat erklärt: «Wolken bewegen sich langsam über große Flächen, was zu wiederkehrenden Mustern führt.»
Eine weitere Theorie behauptet, dass Astronauten der Artemis-2-Mission die Rakete verlassen haben, weil sie beim Start Rettungsgondeln sahen. «Diese Gondeln werden bei Gefahr ausgelöst und sind nicht Teil des Fluges», klärt Schwarz auf.
Kovic glaubt nicht, dass junge Menschen automatisch anfälliger für den flachen Erd-Glauben sind. Trotz größerer Informationsaussetzung haben sie mehr Medienkompetenz, während ältere oft weniger kritisch mit sozialen Medien umgehen.
Quelle: 10v10, 07.04.26, 21:50 Uhr;schc;noes