Am Montag trat der langjährige verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Rüdiger Lucassen, nach internen Auseinandersetzungen von seinen Ämtern zurück. Er gab sein Mandat als Leiter des fraktionsinternen Arbeitskreises Verteidigung und als Obmann im Verteidigungsausschuss auf, um einen Misstrauensantrag zuvorzukommen. Eine Abstimmung über seine Ablösung war für Dienstag angesetzt.
Trotz seines Rücktritts bleibt Lucassen einfaches Mitglied des Arbeitskreises und im Verteidigungsausschuss, wie aus seinem Umfeld berichtet wird. Sein Schritt erfolgte nach Vorwürfen von “Vertrauensverlust”, “Alleingängen” und einem “Führungsdefizit”. Kritisiert wurde auch seine Veröffentlichung eines Positionspapiers zur Bundeswehrrolle ohne vorherige Abstimmung im Arbeitskreis.
Lucassen begründete seinen Rücktritt in einer Mitteilung an die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie den Fraktionsvorstand. Er wolle verhindern, dass der innenpolitische Konflikt die Partei bei den bevorstehenden Landtagswahlen schädigt. Ausgelöst wurde seine Entscheidung durch einen öffentlichen Streit mit dem Thüringer Abgeordneten Torben Braga, einem Vertrauten von Björn Höcke. Lucassen kritisierte dessen negative Haltung zur Wehrpflicht und warf der Höcke-nahen Gruppe vor, den Staat zu delegitimieren.
Der Konflikt zwischen Lucassen und Teilen der Thüringer AfD besteht schon länger. Er sieht die Bundeswehr als Instrument staatlicher Willkür und betont eine klare Rangfolge: Land, Partei, Person. Sein Rücktritt markiert den vorläufigen Höhepunkt eines jahrelangen Konflikts, da er sich für Nato und Transatlantik stark macht.
Im Dezember 2025 verschärfte sich der Streit, als Lucassen Björn Höcke im Bundestag wegen dessen Kritik an Wehrpflicht und Bundeswehr kritisierte. Die Fraktionsführung missbilligte daraufhin Lucassens Äußerungen.
Die Situation zeigt die unterschiedlichen sicherheitspolitischen Ansichten innerhalb der AfD, wobei ostdeutsche Verbände eine skeptischere Haltung gegenüber den USA und Nato haben. Trotz Stärkung westlicher Landesverbände in jüngsten Wahlen offenbart die Reaktion auf Lucassens Vorwürfe die Einflussnahme des Thüringer Landesverbands.
Lucassen bleibt Abgeordneter und Ausschussmitglied, was ihm nach seinen Worten neue Freiheiten bietet, um weiter an der deutschen Verteidigungspolitik mitzuwirken.