Ein russischer Satellit verfolgt derzeit europäische Satelliten dicht, was den Verdacht auf Abhörausfälle nährt. Der Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr bestätigt die Nähe, die es Russland ermöglichen könnte, Kommunikationen abzufangen und möglicherweise militärische Informationen zu erfassen.
Wie das möglich ist und welche Auswirkungen dies hat, wird am Beispiel von Luch-2 deutlich. Dieser Satellit wurde im März 2023 ins All gebracht und befindet sich in einer geostationären Umlaufbahn. Solche Satelliten sind für die Kommunikation entscheidend, wie etwa Intelsat-39, der Europa mit Internet- und Mobilfunkabdeckung versorgt. Russland könnte durch Luch-2 die Signale von solchen Satelliten abfangen.
Europäische Militärvertreter nutzen teilweise unverschlüsselte zivile Satelliten für ihre Kommunikation, da sichere Verbindungen rar sind. Ein bekanntes Opfer derartiger Sicherheitslücken war die Bundeswehr, als vor zwei Jahren Waffenlieferungen an die Ukraine besprochen wurden und diese von Russland abgehört wurden.
Experten betonen, dass Luch-2 die Steuerbefehle von Intelsat-39 manipulieren könnte, was den Satelliten unbrauchbar machen würde. Solche Techniken könnten auch auf andere nahegekommene Satelliten angewendet werden. Bislang griffen Angreifer hauptsächlich Bodenstationen an, wie Russland es 2022 in der Ukraine tat.
Ein direkter Angriff auf europäische Kommunikationssatelliten wäre ein bedeutender Schritt über bisherige Sabotageakte hinaus. Russlands Aktivitäten im All symbolisieren seine Position als Weltraummacht, während Europa noch keine umfassende Antwort hat.
Europas Raumfahrtstrategie ändert sich erst langsam. Satelliten werden oft über viele Jahre genutzt und können nur schwer ersetzt werden. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius und andere europäische Führer planen jedoch eine Aufstockung der ESA-Budgets, um weltraumbezogene Sicherheitstechnologien zu entwickeln.
Zukünftige Maßnahmen könnten Wächtersatelliten umfassen, die feindliche Satelliten überwachen oder abwehren. Diese sind jedoch noch in der Planungsphase und werden einige Jahre benötigen, bis sie einsatzbereit sind. Bis dahin bleibt Europa den russischen Störaktionen schutzlos ausgeliefert.
Die russische Raumfahrtbehörde plant weitere Satellitenstarts ähnlich wie Luch-2.