Ein Dealer aus der Schweiz berichtet von einem Treffen mit internationalen Gästen, die beeindruckt waren von der außergewöhnlichen Reinheit seines Kokains (94-98 Prozent), sogar mehr als in deren Heimatländern. Er betont, dass seine Kunden über alle sozialen Schichten hinwegkommen und das erste Mal den Rausch mit Popeye vergleichen.
Mit der Zeit beobachtet er bei einigen Konsumentinnen und Konsumenten negative Veränderungen: sie werden unzuverlässig und delinquent, was ihm zeigt, dass Kokain nicht nur finanziell, sondern auch geistig eine Herausforderung darstellt.
Frank Zobel von der Stiftung Sucht Schweiz hat in über 30 Jahren noch nie so viel reinen, günstigen Stoff gesehen. Er betont die ständige Verfügbarkeit des Kokains und den Anstieg der Abhängigkeit, wobei bisherige finanzielle Investitionen wenig Erfolg brachten.
Er schlägt vor, über Legalisierung nachzudenken, obwohl politische Hürden bestehen. Yanis Callandret vom Zoll warnt davor, in den Bemühungen nachzulassen, um die Rechtsstaatlichkeit zu bewahren und das Land nicht zum Narco-Staat werden zu lassen.
Der Kokainkonsum hat sich in der Schweiz verdoppelt, angetrieben durch eine steigende europäische Nachfrage und Überproduktion in Südamerika. Die Hauptlieferländer sind Bolivien, Peru und Kolumbien. Präsident Gustavo Petro von Kolumbien versuchte mit einer umfassenden Friedensstrategie gegen die Drogenkartelle, was zu deren Expansion führte.
Daniel Mejía beschreibt diese Strategie als unorganisierte Verhandlungen ohne Kontrolle. Die Kartelle erweiterten ihren Einfluss von 200 auf über 700 Gemeindebezirke und kontrollieren nun 60-70 Prozent des Landes.
Das Kokain reist über Luft- und vor allem Seewege nach Europa, mit Häfen wie Antwerpen als Hauptumschlagplatz. Obwohl der belgische Zoll 2025 Rekordmengen beschlagnahmte, brachen die Gesamtzahlen 2023 dramatisch ein.
Sara Van Cotthem vom Zoll vermutet, dass die Kartelle auf andere Häfen ausgewichen oder neue Methoden entwickelt haben könnten. Die Kontrolle aller Container ist unmöglich; Schätzungen gehen davon aus, dass weniger als fünf Prozent der Kokainmengen gefasst werden.
In Antwerpen hat dies zu erhöhtem Konsum und Gewalt geführt, was Belgien dazu veranlasste, eine nationale Drogenkommissarin einzusetzen. Ine Van Wymersch betont die Herausforderung, den unsichtbaren Teil der Kartelle – wie Geldwäsche und illegale Wirtschaft – zu bekämpfen.
Der Bund reagierte erst Ende 2025 mit einer Strategie gegen organisierte Kriminalität. Yanis Callandret warnt, dass die Schweiz ohne sofortiges Handeln in eine ähnliche Lage geraten könnte wie Belgien.