Auf der Kreuzfahrt der «Hondius», die am 1. April in Argentinien begann, brach ein Ausbruch des seltenen Andes-Hantavirus aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte am 4. Mai die ersten Fälle. Bisher sind drei Todesfälle zu verzeichnen und es werden weitere Infizierte behandelt, darunter einer in Zürich und eine Kontaktperson eines Verstorbenen in Düsseldorf. Die WHO stuft das Gesundheitsrisiko für die Öffentlichkeit als gering ein, bezeichnet den Ausbruch jedoch als ernst. Das Andes-Hantavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Es gibt weltweit rund zwanzig Virusvarianten, die in Nagetieren wie Mäusen und Ratten vorkommen. Diese Tiere scheiden das Virus mit Kot, Speichel oder Urin aus, ohne selbst krank zu werden. Infektionen können durch Kontakt mit getrockneten Ausscheidungen, Tierbisse, verunreinigte Lebensmittel oder seltener Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgen. Ein Schweizer Passagier wurde für Untersuchungen in den Kanton Aargau gebracht. Bislang wurden keine Anzeichen einer Infektion festgestellt. Sein Erbgut weist darauf hin, dass das Virus auf dem Schiff nicht leichter übertragbar ist als frühere Varianten. Die Ursprünge der Infektion sind unklar. Ein niederländisches Paar erkrankte nach der Abfahrt am 1. April und starb später. Der erste Patient infizierte sich wahrscheinlich an Land, vor oder während eines Landausflugs. Die WHO geht davon aus, dass auf dem Schiff das Andesvirus zirkulierte. Die Recherche erfordert detaillierte Befragungen aller Passagiere und Besatzungsmitglieder, um die Ansteckungskette zu klären. Etwa 30 Personen verließen das Schiff am 24. April auf St. Helena. Nach dem Tod eines Passagiers wurden seine Ehefrau und ein weiterer infizierter Brite nach Südafrika gebracht. In Spanien wurde der «Hondius» erlaubt, in Teneriffa anzulegen, um alle Insassen zu untersuchen. Alle müssen sich nun isolieren und werden regelmäßig getestet. Die WHO empfiehlt 45 Tage abzuwarten, ob weitere Symptome auftreten. Hantaviren können harmlos verlaufen oder schwere Erkrankungen wie HPS oder HFRS hervorrufen. Behandlungen sind unterstützend, da keine spezifischen Medikamente existieren. In der Schweiz sind Hantavirus-Fälle selten; es gibt jährlich maximal sechs Fälle.