Als bedeutendster popkultureller Anlass der Schweiz zieht die jährlich stattfindende Fantasy Basel immer mehr Besucher an. Ein Autorin bemerkt dazu: «Das Böse hat eine magnetische Wirkung auf uns.» Was genau hinter diesem Phänomen steckt, wurde bei einem Besuch erkundet.
Inmitten der Menge bewegt sich Darth Vader mit Mühe und zieht seinen Helm an einem Stand ab. Super Mario und Luigi genießen gemeinsam Pommes auf einer Bank. Einige Meter entfernt schlemmt Batman ein schwarzes Glacé. Diese popkulturellen Ikonen aus unterschiedlichen Universen sind in der Fantasy Basel zur Realität geworden.
Seit 2015 findet die Messe jährlich im Herbst in den Basler Messehallen statt und hat sich stetig vergrößert. Während andere Messen aufgrund hoher Kosten und sinkender Nachfrage eingestellt wurden – wie die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld oder die Mustermesse Muba –, zog die Fantasy-Messe in diesem Jahr 103 000 Besucher über drei Tage an.
Die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen mit 850 Ständen. Ein Tageseintritt kostet für Erwachsene 50 Franken. Angebote reichen von einem riesigen Computerspielbereich, einem Brettspielbereich, bis hin zu Film-, Buch- und Comic-Ständen. In einer „Kampfzone“ erlernen Fans das Schwertkämpfen mit Lichtschwertern, während ein Reisebüro im asiatischen Bereich Animé-Reisen nach Japan anpreist.
Im ruhigeren Teil der Messe steht Sabrina Witzig, bekannt unter dem Pseudonym Severn A. Lee, bei den Comic-Zeichnerinnen und Buchautoren. Sie erklärt: «Das Böse zieht uns an.» Als Deutschlehrerin und Fantasy-Autorin beschäftigt sie sich mit der Entstehung von Schurkenfiguren. Vor rund 50 Zuhörern unterschieden sie zwischen geheimnisvollen Bösewichten und Psychopathen, wobei letztere faszinierend sein müssten.
Witzig sieht in Fantasy mehr als bloßen Eskapismus; es dient vielen Autoren zur Verarbeitung der Realität. Auch für sie war das Interesse an Schurkenfiguren schon im Kindesalter geprägt, und obwohl sie männliche Bösewichte erschaffen kann, gelang ihr noch keine weibliche Antagonistin.
Überall in Basel sind die Superhelden und -schurken präsent. Die Besucher verkleiden sich als Figuren aus Filmen und Serien, tragen kunstvoll gestaltete Schwerter oder Waffen, die echten ähneln. „Waffenkontrollen“ an den Eingängen stellen sicher, dass solche Accessoires kontrolliert werden.
Cosplay, das Verkleiden als geliebte Heldenfiguren, ist ein zentraler Bestandteil der Messe und hat seinen Ursprung in Japan. Fans investieren viel Geld und Zeit in perfekte Kostüme – ein Trend, der nun auch in Europa und den USA Anklang findet.
Künstler wie Ingo Römling aus Berlin, Illustrator und Comiczeichner, sind ebenfalls vertreten. Er arbeitete viele Jahre für Disney an Star Wars-Comics und gestaltete das Coverbild für die Messe. Trotz der Möglichkeit, Kunstwerke mit Maschinen schnell zu erstellen, hält er daran fest, dass menschliche Kreativität nach wie vor begehrt ist.
Die künstliche Intelligenz wird ebenfalls diskutiert, insbesondere im Kontext von Kunst und Schauspielerei. Die Festivalleitung verbietet jedoch allein künstlich erschaffene Werke auf den Ständen. Synchronsprecher befürchten um ihre Jobs, da Plattformen wie Netflix die Stimmen ihrer Sprecher zur Trainierung von KI nutzen möchten.
Trotz des Lärms und der Unordnung bietet die Messe eine Bühne für Fans und Künstler, um Aufmerksamkeit zu finden. Viele leben ihre Fan-Gemeinschaft online aus, doch hier in Basel können sie diese Leidenschaft im realen Leben erleben.
Die Veranstaltung zeigt sich als ein Ort des Konsums – mit Verkaufsständen für Schwerter, Perücken und vieles mehr. Zugleich ist es ein Treffpunkt für Kunstschaffende, die ihre Werke präsentieren können.