Chinas stellvertretender Handelsminister bat bei einem Treffen in Bern 25 Schweizer Unternehmen um eine Intensivierung ihrer Beteiligungen im Reich der Mitte. Er hob die “weitreichenden Möglichkeiten” des neuen Fünfjahresplans für Kooperationen hervor.
Obwohl ausländische Direktinvestitionen in China nicht abnahmen, verzeichnete das Land 2024 einen Rückgang um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Trend geht aus dem Wirtschaftsbericht der Schweizer Botschaft in Peking für 2025 hervor und deutet auf eine wirtschaftliche Schwächephase hin.
Pekings Aufruf an Schweizer Firmen, ihre Investitionen zu steigern, erfolgte bei einer Konferenz, die von der chinesischen Botschaft Berns und der Schweizerisch-Chinesischen Handelskammer organisiert wurde. Das Gesprächsthema war hochsensibel, weshalb Journalisten zunächst den Raum verlassen mussten, wie “Blick” berichtete.
Anwesend waren Vertreter von Firmen wie Nestlé, Novartis, UBS und Glencore sowie Magdalena Martullo-Blocher von Ems-Chemie. Die Schweiz investierte 2022 fast 4,4 Milliarden Franken in China; 2023 sank dieser Betrag auf 3,6 Milliarden und stieg im Folgejahr leicht an.
Die Überkapazitäten in der chinesischen Industrie werfen Fragen über die Attraktivität von Investitionen auf. Vielfältige Branchen wie Automobil, Solarmodule oder Maschinenbau haben erhebliche Fertigungskapazitäten entwickelt. Schwache Inlandsnachfrage und Preisverfall belasten jedoch die Gewinnmargen.
Nestlé meldete in seinem Bericht für das erste Halbjahr 2025 einen Rückgang des China-Umsatzes um 10,4 Prozent. Das Unternehmen arbeitet an einem neuen Geschäftsmodell, nachdem der Absatz von Babymilch und Milchpulver schwierig wurde.
In Branchen wie Pharma, Medizintechnik und Präzisionsinstrumente steigen die Investitionen, da China diese als Zukunftssektoren betrachtet. Unternehmen müssen im Reich der Mitte produzieren, um von Pekings Förderungen zu profitieren. Firmen ohne lokale Produktion werden aus öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen.
Ypsomed betreibt eine 150 Millionen Franken teure Fabrik in Changzhou, während Novartis mehrere Produktionsstätten und ein Forschungszentrum unterhält. Das Unternehmen baute zuletzt weitere Anlagen in Zhejiang.
Obwohl Ems-Chemie von der Elektroauto-Industrie profitierte, ist deren Zukunft unsicher nach dem Ende staatlicher Subventionen für E-Autos in China. Ling Ji betonte bei dem Treffen die Stabilität und Sicherheit Chinas trotz einer instabilen globalen Wirtschaft.
Der neue Fünfjahresplan zielt darauf ab, führende Technologiemacht zu werden, mit Schwerpunkten auf Halbleiter, Quantencomputer und Biotechnologie. Da chinesische Behörden weniger Fördermittel vergeben können, sieht Peking in Schweizer Investitionen einen Weg, diese Lücken zu schließen. China benötigt zur Erreichung seiner Ziele sowohl Finanzierung als auch Fachwissen aus der Schweiz.