Stadt St. Gallen, 21.04.2026 – 16:45
Für einen guten Zweck verbrachten Schweizer CEOs eine Nacht im Rollentausch als Obdachlose. Der Schuhunternehmer Claudio Minder reflektiert über die ‚brutale Erfahrung‘ aufLinkedIn. Als Mister Schweiz von 2000 schlief er zusammen mit fünf weiteren Führungskräften in einer Passagengasse bei fünf Grad Celsius.
Mithilfe der Organisation Endlesslife, gegründet von Thomas Feurer, einem ehemaligen Obdachlosen und Suchtkranken, wurde die Erfahrung so gestaltet, dass sie den Alltag von obdachlosen Menschen widerspiegelt. Die Teilnehmer konnten weder Geld besitzen noch essen kaufen – Betteln oder Stehlen war notwendig.
Feurer betont, dass solche Aktionen Unternehmern neues Verständnis vermitteln sollen und hofft, dass Obdachlose dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Er relativiert jedoch die Erfahrung der CEOs: Eine Nacht könne den Alltag von Obdachlosen nicht voll erfassen.
Die Teilnehmer erlebten Ablehnung und fehlenden Respekt, was nachhaltigen Eindruck hinterließ. Kritiker bemängeln eine mögliche PR-Inszenierung. Yann Bochsler von der Fachhochschule Nordwestschweiz sieht den Vorteil in der Einbindung Betroffener und Spendensammlung, mahnt aber an, dass die Aktion strukturelle Ursachen nicht ersetzt.
Simon Bucher von der Schweizer Heilsarmee betont die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit dem Thema. Er sieht das Potenzial solcher Initiativen in der Aufmerksamkeit für Problematiken, fordert jedoch eine Verknüpfung mit Fakten und Handlungsoptionen.
Trotz fehlender genauer Zahlen schätzt eine Studie aus 2022 die Zahl der Obdachlosen in der Schweiz auf etwa 2200 Menschen.