Ein Bericht zur Administrativuntersuchung hat gravierende Mängel in der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ) aufgedeckt, die weit über eine medizinische Panne hinausgehen. Zwischen 2016 und 2020 war die Patientensicherheit nicht stets gewährleistet. Der Bericht legt ein Zusammenspiel aus Fehlentscheidungen, mangelnder Kontrolle sowie einer Führungskultur offen, in der Warnsignale zu lange ignoriert wurden. Für ein bedeutendes öffentliches Zentrumsspital wie das USZ sind dies schwerwiegende Mängel.
Die politische Dimension ist unverzichtbar für die Einordnung des Skandals. Die Probleme entstanden während der Amtszeit von Martin Waser, dem damaligen Spitalratspräsidenten, und Thomas Heiniger, der die Zürcher Gesundheitsdirektion führte. Beide hatten die direkte Aufsicht über das Spital inne. In ihren Ämtern wurde die Gefahrenlage nicht mit der nötigen Konsequenz erkannt und eingedämmt. Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die damalige Aufsicht zu lange auf Beschwichtigungen setzte statt die Lage kritisch zu prüfen.
Natalie Rickli, die später das Amt übernahm, erbte eine belastende Situation und reagierte rasch. Sie äußerte sich: “Den betroffenen Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen spreche ich mein Mitgefühl aus. Angesichts der Vorkommnisse wurden grundlegende Veränderungen vorgenommen, darunter Anpassungen der gesetzlichen Grundlagen, Verbesserungen im Qualitäts- und Risikomanagement am USZ sowie personelle Erneuerungen in Spitalrat, Spitaldirektion und Klinikleitung. Damit soll das Vertrauen wiederhergestellt und die Patientensicherheit gewährleistet werden. Ich danke der Untersuchungskommission unter der Leitung von Dr. Niklaus Oberholzer sowie dem Spitalrat für ihre transparente Aufarbeitung, besonders auch Spitalratspräsident André Zemp und CEO Monika Jänicke, die damals noch nicht im Amt waren, für die übernommene Verantwortung.”
Die Untersuchungsergebnisse sind alarmierend: Bei 4500 Operationen wurde unter dem ehemaligen Klinikleiter Francesco Maisano eine Übermortalität von 68 bis 74 Fällen festgestellt. In 11 dieser Todesfälle stuft die Kommission diese als nicht erwartbar ein, in weiteren 13 Fällen war der Einsatz von Medizinprodukten unangemessen. Es handelte sich hierbei um strukturelle und personelle Versäumnisse. Professor René Prêtre, Experte der Untersuchungskommission, erwähnte bei einer Pressekonferenz, dass Maisano nicht primär das Patienteninteresse verfolgt habe, sondern eher sein Interesse an experimentellen Behandlungen und neuen Geräten in der Herzchirurgie.
Das USZ schafft nun Transparenz und leitet eine strafrechtliche Prüfung ein. Begleitend muss sichergestellt werden, dass Betroffene entschädigt und beraten werden. Die wichtigste Lehre bleibt: Setzt eine öffentliche Einrichtung wie das USZ über Jahre auf Selbstkontrolle statt echte Überwachung, dann wird nicht nur Vertrauen zerstört, sondern auch politisches Kapital verspielt. Die Schuldigen von damals sind längst nicht mehr im Amt. Das Aufräumen und Handeln obliegt nun anderen.