Erste Umfragen zur SVP-Zuwanderungsinitiative lassen im rechten Lager Hoffnung aufkeimen. Wer jedoch realistisch urteilt, erkennt vor allem die massiven Herausforderungen für die Pro-Seite am Abstimmungssonntag, den 14. Juni. Nicht hauptsächlich aus ideologischen Gründen, sondern wegen der klaren Vorteile der Gegenseite.
Die Fronten sind klar abgesteckt: von Cédric Wermuth (SP) bis Benjamin Mühlemann (FDP), vom Bundesrat über Gewerkschaften bis zu Wirtschaftsverbänden und Medien – alle arbeiten zusammen gegen die Initiative. Eine solche Allianz stellt für die SVP – zumindest auf dem Papier – eine große Hürde dar, nicht weil ihr Kampagnenauftreten schwach ist, sondern wegen der institutionellen und organisatorischen Überlegenheit der Gegenseite.
Diese Vorteile zeigen sich insbesondere in den finanziellen Mitteln. Die SP stellt 1,63 Millionen Franken für die Nein-Kampagne bereit – ein Rekordbetrag. Insgesamt sind auf der Nein-Seite bereits rund 3,4 Millionen Franken gebündelt: über 800’000 Franken vom Gewerkschaftsbund, 175’000 von Operation Libero, je 100’000 von Mitte und Mieterverband sowie mehrere Hunderttausend aus der Wirtschaft. Noch weitere Mittel großer Verbände werden erwartet.
Die SVP tritt diesen finanziellen Kräften mit deutlich geringeren Ressourcen entgegen, was in modernen Abstimmungskampagnen entscheidend ist: Weniger Geld bedeutet weniger Reichweite und Präsenz – und damit weniger Wirkung.
Allerdings gibt es auch eine andere Perspektive: Sollte die SVP sich gegen diese Übermacht durchsetzen, wäre das eine der größten politischen Sensationen in den letzten Jahren. Das Establishment würde nachhaltig entzaubert und stünde bloß da – ein politisches Erdbeben ohne Gleichen.