Politische Entscheider suchen stets nach Wegen, Risiken zu minimieren – nun wird sogar über eine Promillegrenze für Skifahrer diskutiert. Marc Jost, EVP-Nationalrat aus Bern, regt an, dass der Bundesrat diesbezüglich Überlegungen anstellen sollte. Er verweist auf die erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten von Unfällen, die rund 600 Millionen Franken betragen sollen.
Skifahren birgt Risiken: Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) meldet jährlich über 60.000 Verletzungen durch Selbstunfälle infolge von Übermut oder Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Dennoch lässt sich kein direkter Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Unfallhäufigkeit nachweisen.
Dennoch erscheint das Konzept einer Promille-Polizei fragwürdig. Wie sollen solche Kontrollen umgesetzt werden? Sollten sich Skifahrer vor jedem Lift einem Atemtest unterziehen müssen? Diese Idee könnte den Spaß am Sport schmälern und die Après-Ski-Veranstaltungen fördern, was möglicherweise nicht gesünder ist.
In Italien gibt es mit 0,5 Promille eine Grenze. Überschreitungen werden bestraft: Geldstrafen drohen, Skitickets können entzogen und bei mehr als 0,8 Promille wird der Vorfall strafrechtlich verfolgt. Dort wurden im Trentino in einem Jahr etwa 2000 Kontrollen durchgeführt, wobei rund drei Dutzend Personen gebüßt wurden – ein Effizienzbeispiel?
Die Frage stellt sich, ob das Apéro auf der Piste wirklich problematisch ist. Obwohl Schweizer gerne ein Glas trinken, tun sie es zurückhaltender: 60 Prozent verzichten gänzlich darauf; nur zwei Prozent konsumieren Alkohol “oft” während des Skifahrens.
Unfallversicherungen reduzieren Leistungen oder nehmen Regress bei Unfällen unter Alkoholeinfluss, und bei Drogenkonsum verliert man fast immer den Versicherungsschutz. Das ist eine ausreichende Sanktion.
Politiker neigen dazu, in ihrer Schutzbereitschaft über das Ziel hinauszuschießen und dabei möglicherweise der Tourismusbranche schaden, die bei Alkoholverboten erhebliche Umsatzeinbußen fürchten müsste. Ein Glas Wein gehört zwar nicht zum Skifahren selbst, aber zum Gesamterlebnis – ein Kompromiss, der an Schweizer Genuss und Freiheit appelliert.
Die Eigenverantwortung scheint jedoch in Vergessenheit geraten zu sein. Die Kontroll-Lust kennt kaum Grenzen. Noch vor 20 Jahren waren die Unfälle mit über 76.000 Fällen pro Jahr deutlich häufiger, ohne dass dies als Problem wahrgenommen wurde. Damals galt Alkohol auf der Piste nicht als Risiko.
Heute wäre eine solche nüchterne Sicht kaum mehr möglich – die Politik hat sich zu einer Welt entwickelt, in der das Leben scheinbar gefährlicher ist als je zuvor.