Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges vor einem Monat hat sich die Strasse von Hormus zum gefährlichsten Gewässer entwickelt. In den ersten Kriegsmonaten wurden zwanzig Handelsschiffe angegriffen, was zu erheblichen Schäden und Todesopfern unter der Besatzung führte. Anfang und Mitte März erlebten die Gewässer eine Häufung von Drohnen- und Raketenangriffen; seitdem hat sich die Situation etwas beruhigt.
Zuvor passierten täglich über hundert Schiffe diese Meerenge, doch aktuell ist ihre Zahl deutlich gesunken. Ein bemerkenswerter Trend zeigt sich: Viele Schiffe schalten ihre Transponder ab, um unbemerkt durchzukommen oder sich in der Region zu positionieren. Die britische Datenanalysefirma Lloyd’s List Intelligence hat diese Entwicklung untersucht und am Donnerstag neue Zahlen präsentiert. Im März passierten 142 Öltanker oder Flüssiggastransporter die Strasse von Hormus, ein Drittel davon ohne aktivierte Transponder.
Schiffe, die sich unerkannt bewegen wollen, deaktivieren das automatische Schiffsidentifizierungssystem (AIS), welches Informationen wie Position, Kurs und Geschwindigkeit vermittelt. Dieses System ist entscheidend für die Sicherheit auf See und zur Vermeidung von Kollisionen.
Windward, eine britisch-amerikanische Datenanalysefirma, registriert täglich über 300 solcher dunklen Aktivitäten im Persischen Golf. Lloyd’s List Intelligence spricht von sogenannten Zombieschiffen, die teilweise falsche Identitäten annehmen.
Es gibt mehrere Gründe für das Ausschalten des AIS-Systems: Erstens sind es Schiffe mit Verbindungen zum Iran, die nicht identifiziert werden möchten und möglicherweise auf der US-Sanktionsliste stehen. Zweitens erhöht das Verschleiern ihrer Position die Sicherheit vor Angriffen. Drittens gibt es Schiffe, die im Vorfeld eine Vereinbarung mit dem Iran für den Transit geschlossen haben. Seit Beginn des Krieges ist dafür eine iranische Genehmigung erforderlich, was angesichts der geopolitischen Lage kompliziert ist.
Der Iran hat zudem begonnen, Gebühren von Schiffen zu erheben, die seine Meerenge passieren – ein Novum. Früher war dies kostenlos. Heute können diese Schiffe bis zu zwei Millionen Dollar zahlen, um durchzufahren. Der Iran rechtfertigt sich mit Beispielen wie dem Suez- und Panamakanal.
Diese Entwicklung sorgt bei den USA und Golfstaaten für Besorgnis, die die Kontrolle über diese wichtige Passage behalten möchten. Es zeichnen sich schwierige Verhandlungen ab, während der Iran in seinem Parlament ein neues Gebührensystem erarbeitet.