Die Debatte über Doppelmandate in der Politik, bei denen eine Person gleichzeitig mehrere Ämter bekleidet, nimmt wieder an Fahrt auf. Ein prägnantes Beispiel dafür ist die Stadt Thun im Kanton Bern, wo alle Mitglieder der Stadtregierung auch Sitze im Kantonsparlament innehaben. Nach den letzten Wahlen in diesem Kanton und dem Rücktritt eines Nationalratsmitglieds hat sich die Situation weiter verschärft.
Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) mit zwölf Jahren Erfahrung sowohl auf kommunaler als auch kantonaler Ebene, betont: «Man muss wissen, wie was abläuft und wer verantwortlich ist.» Für ihn stellt ein Mandat in einem nationalen oder kantonalen Parlament einen Vorteil dar.
Ein gelungenes Beispiel für die Vorteile von Doppelmandaten nennt Lanz bezüglich der Ansiedlung des Swiss Football Homes durch den Schweizerischen Fussballverband: «Wir konnten dem Verband sehr schnell ein gutes Angebot machen, weil ich die Handynummern der zuständigen Leute beim Kanton kannte.» Diese kurzen Wege seien von Vorteil.
Im Gegensatz zu Thun hat Biel Doppelmandate für Gemeinderatsmitglieder bereits verboten. Stadtrat Titus Sprenger (Grüne), ein Befürworter dieses Verbots, sieht die zeitliche Belastung als Hauptgrund: «In Biel sind die Gemeinderatsmitglieder vollamtlich angestellt, aber Parlamentsmandate bedeuten mehrwöchige Abwesenheiten.»
Gemeinderätin Lena Frank (Grüne) hingegen würde sich Doppelmandate wünschen, um direkten Einfluss nehmen zu können: «Das ist nie so effizient wie bei direkter Beteiligung.» Politologe Sean Müller verweist auf einen Stadt-Land-Graben in der Debatte: In ländlichen Gebieten sei es einfacher, beide Ämter zu führen als in grossen Städten wie Bern oder Zürich.
Laut Müller nutzen vor allem kleinere Gemeinden Doppelmandate effizient, um sich «weiter oben» durchzusetzen, während grössere Städte den Kürzeren ziehen: «Wenn das Geld mehrheitlich in ländliche Gebiete fliesst, verlieren die Städte zweimal.»
Die Schwierigkeiten von Doppelmandaten sind in letzter Zeit auch im Kanton Neuenburg aufgefallen, wo alle Regierungsmitglieder von La Chaux-de-Fonds sowohl einflussreiche Kantonsparlamentarier waren und deshalb Doppelmandate in allen Gemeinden verboten wurden.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 2.4.2026, 17:30 Uhr