Seoul investiert seit Jahrzehnten in seine Rüstungsindustrie und hat sich ehrgeizige Ziele für die Zukunft gesetzt. Dieser Fokus bietet auch Vorteile für Europa und die USA.
Der neuste Zerstörer der südkoreanischen Marine, «Jeongjo der Grosse», ist ein beeindruckendes Kriegsschiff mit einer Länge von 170 Metern und einem Gewicht von über 8000 Tonnen. Nach seiner Indienststellung befindet er sich in Ulsan zur Korrektur anfänglicher Mängel, die bei den Probefahrten typischerweise auftreten.
In der HHI-Werft erscheint das Schiff fast bescheiden neben den riesigen Tankern und Containerschiffen, die dort produziert werden. Die enge Verzahnung zwischen zivilem und militärischem Geschäft zeigt sich hier besonders deutlich: Spezialisierte Firmen des Hyundai-Konzerns bauen wichtige Komponenten wie Schiffsmotoren.
Die Werft in Ulsan hat 14 Trockendocks, die auch bei voller Auslastung Platz für Kriegsschiffe bieten. Doch Rüstungsgeschäfte machen nur einen kleinen Teil der Aktivitäten großer südkoreanischer Konzerne aus: Dieses Jahr werden dort insgesamt 109 Schiffe gebaut – nur vier davon sind militärischer Natur.
Trotz des geringen Anteils von Rüstungsgütern an den Exporten (2 Prozent) hat sich Südkorea zu großen Zielen verpflichtet. Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute liegt das Land auf dem zehnten Platz der Rüstungsexporteure und strebt bis 2030 den vierten Platz an, den heute die USA, Frankreich, Russland und China innehaben.
Die Korea Defense Industry Association (KDIA) ist zuversichtlich: Bis 2025 sollen Exportverträge im Wert von rund 23 Milliarden Dollar abgeschlossen werden. Ein bedeutender Auftrag steht bevor – Kanada plant den Kauf bis zu zwölf U-Boote für geschätzte 40 Milliarden Dollar, wofür «Team Korea» (HHI und Hanwha Ocean) gemeinsam antritt.
Die Unterstützung der Bevölkerung ist stark: Die Rüstungsindustrie gilt als integraler Bestandteil der Exportwirtschaft. Seit den 1970er Jahren, ausgelöst durch die Reduzierung amerikanischer Truppen nach dem Vietnamkrieg und nordkoreanische Provokationen, hat Südkorea seine Rüstungsindustrie stark gefördert.
Die Notwendigkeit militärischer Selbständigkeit führte zur Entwicklung einer robusten Rüstungsfähigkeit. Diese Investitionen haben sich als Vorteil erwiesen, insbesondere während der globalen Nachfrage nach Waffen im Zuge des Ukraine-Konflikts.
Südkoreas Fähigkeiten wurden bei einem bedeutenden Auftrag Polens deutlich: 1000 Kampfpanzer und andere Rüstungsgüter wurden innerhalb von nur 102 Tagen geliefert. Südkorea plant, die Produktion in Europa auszubauen, was seine Exportkraft weiter stärken könnte.
Während Südkorea auf dem europäischen Markt mit etablierten Anbietern konkurriert, zeigt sich eine potenzielle Chance in den USA. Dort kämpfen die Schiffswerften mit Kapazitätsproblemen. Hanwha Ocean hat bereits eine Werft in Philadelphia übernommen und plant weitere Investitionen.
Die enge Partnerschaft zu den USA könnte Südkorea helfen, seine Position als Rüstungsmacht weiter auszubauen – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen bleiben günstig.