In einem symbolträchtigen Treffen haben Vertreter Israels und des Libanons in Washington über eine Wiederaufnahme direkter Friedensverhandlungen beraten, wie das US-Aussenministerium mitteilte. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Treffen, dessen genaue Inhalte jedoch nicht bekannt sind. Nahost-Korrespondent Thomas Gutersohn kommentiert die Entwicklungen.
Thomas Gutersohn berichtet seit 2023 aus Amman für SRF über den Nahen Osten und war zuvor bis 2022 als Südasien-Korrespondent tätig. Er arbeitet seit 2008 bei SRF und hat Internationale Beziehungen in Genf studiert.
Dies ist nicht das erste Zusammentreffen zwischen den Ländern; bereits im Dezember fand ein Gespräch im Grenzgebiet statt, welches nun durch seine Botschafter-Ebene hervorsticht. Da keine offiziellen diplomatischen Beziehungen bestehen und kein anerkanntes Grenzabkommen existiert – beide Länder befinden sich seit Jahrzehnten im Kriegszustand –, ist das Treffen ein starkes Zeichen für einen möglichen Annäherungsversuch unter US-Vermittlung. Inhaltlich bleiben die Positionen jedoch verhärtet.
Beide Seiten betonen ihr Streben nach Frieden und sind sich in der Notwendigkeit einer Entwaffnung der Hisbollah-Miliz einig, wobei Uneinigkeiten darüber bestehen, wie dies erreicht werden soll. Israel behält sich das Recht vor, gegen Hisbollah-Stellungen auf libanesischem Boden vorzugehen, während die Hisbollah Angriffe auf israelisches Gebiet fortsetzt. Die libanesische Delegation fordert einen vollständigen und sofortigen Waffenstillstand, insbesondere angesichts der verheerenden Folgen eines jüngsten israelischen Angriffs.
Israel diskutiert eine Pufferzone von bis zu 30 Kilometern tief im Libanon zur Sicherheitsgewährleistung – eine Vorstellung, die für den Libanon unannehmbar ist. Die Hisbollah lehnt die Verhandlungen ab und sieht sich nicht an eventuelle Vereinbarungen gebunden. Sie strebt eine Waffenruhe an und möchte sicherstellen, dass der Libanon in die zwischen dem Iran und den USA ausgehandelten Friedensbestimmungen einbezogen wird.
Obwohl die Gespräche symbolische Bedeutung haben und als Erfolg für das US-Aussenministerium gelten können, bleibt abzuwarten, ob sich an der grundsätzlichen Situation etwas ändert. Ein erster Schritt könnte eine gemeinsame Grenzziehung sein, doch auch dies erscheint noch weit entfernt.
SRF 4 News, 15.4.2026, 7:05 Uhr