Der Tag der Arbeit verlief größtenteils friedlich, bis zu den Krawallen am Nachmittag bei einer Nachdemonstration. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 23 Grad versammelten sich Tausende Menschen um 10:30 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich. Die gute Stimmung war sofort spürbar, als die Demonstration begann und kurz danach wieder stillstand. Trotz des dichten Gedränges in der Ankerstrasse zeigten sich viele Teilnehmer entschlossen weiterzumachen. Eine junge Frau schwenkte ein Transparent für das «Forum für kritische soziale Arbeit», welches bessere Arbeitsbedingungen forderte und die Degradierung sozialer Berufe zu Repressionsagenturen anprangerte.
Einige Demonstranten skandierten lautstark Parolen wie «Gesundheit für alle, sonst gibt’s Krawalle!». Eine andere Frau schrie ins Mikrofon: «Noten sind beschissen!» Diese Vielfalt spiegelte die unterschiedlichen Anliegen wider, von der Kritik an Schulnoten bis hin zu struktureller Unterdrückung im Sozialwesen.
Im Laufe des Umzugs wurden Begriffe wie «neoliberale Ordnung», «Monopolkapitalismus» und besonders in diesem Jahr «Imperialismus» als Feindbilder hervorgehoben. Die Revolutionäre Kommunistische Partei, mit etwa 300 Mitgliedern, vertrat einen trotzkistischen Standpunkt. Ein junger Anhänger betonte den Bedarf nach einer sozialistischen Planwirtschaft unter Arbeiterkontrolle und kritisierte die wachsende Einkommensungleichheit: «40 Prozent der Bevölkerung gibt über ein Drittel ihres Einkommens für Miete aus.»
Die Marxistisch-Leninistische Gruppe Schweiz zeigte sich später mit Transparenten gegen imperialistische Aggression und Krieg jeglicher Art, einschließlich von Russland, EU, USA oder Nato. Im Gegensatz dazu waren vermummte Demonstranten, die sich nicht zu Wort meldeten, aggressiver. Sie bewarfen Schaufenster und Gebäude in der Bahnhofstrasse mit Farbbeuteln und Graffiti wie «Smash capitalism!»
Am Nachmittag kam es bei einer Nachdemo an verschiedenen Orten wie der Langstrasse zum Konflikt zwischen Linksautonomen und der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummischrot ein, nachdem Flaschen geworfen wurden. Es gab Festnahmen wegen Gewalt gegen Beamte, und eine Frau erlitt Verletzungen durch einen Wasserwerferstrahl.
Im Gegensatz dazu war die Stimmung bei der Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz entspannt und fröhlich. Michèle Dünki-Bättig, Co-Präsidentin der SP des Kantons Zürich, hielt eine kämpferische Rede über soziale Forderungen wie bezahlbare Wohnungen und sichere Renten. Sie kritisierte die Rechten für das Versagen bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Unter dem Applaus der Menge spielte eine Band die Internationale, während einige Zuschauer tanzten.
Die Krawalle des Nachmittags schienen weit entfernt, als am frühen Abend die letzten Unruhestifter verschwunden waren und Menschen friedlich in der Sonne tanzten.