Der SRF-Chefredaktor Tristan Brenn bezeichnete seine zweiwöchige Abwesenheit als Sabbatical. Diese Bezeichnung wird jedoch von einem HR-Experten in Frage gestellt, der klare Richtlinien fordert.
Nachdem ein Skandal um den ehemaligen Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer ans Licht kam – er hatte sich ein Covid-Zertifikat fälschen lassen und wurde durch einen Bericht von SRF-Journalist Pascal Schmitz enttarnt – geriet Schmitz selbst in die Kritik. Die “Weltwoche” veröffentlichte rassistische alte Facebook-Posts von ihm, was zu seiner Entfernung aus dem Bildschirm bei SRF führte und ihn zudem zum Rücktritt als Stadionsprecher der Rapperswil-Jona Lakers zwang.
Interessanterweise meldete sich Tristan Brenn während dieser Kontroverse erst nach fast zwei Wochen mit einer Erklärung zu Wort. Er begründete sein Schweigen mit einem “längst geplanten Sabbatical”, wobei er zugleich betonte, an allen Entscheidungen zur Berichterstattung über Fischer beteiligt gewesen zu sein.
Nachfragen von Nau.ch ergaben, dass das “Sabbatical” im Rahmen der vertraglichen Bedingungen stattfand. Laut SRF ermöglichen solche Auszeiten einen Perspektivenwechsel und bieten neue Anregungen für die Arbeit. Detaillierte Angaben dazu wurden jedoch nicht gemacht.
HR-Experte Jörg Buckmann klärt auf, dass ein Sabbatical sich grundlegend von Ferien unterscheidet. Führungskräfte könnten während der Ferien kaum wirklich abschalten, wohingegen ein Sabbatical eine tatsächliche Abkoppelung ermöglichen sollte: runterfahren, Energie tanken und neue Ideen entwickeln. Hierbei sei die Dauer entscheidend; üblich seien mindestens ein Monat oder länger. Für Buckmann ist Brenns zweiwöchige Auszeit daher eher Etikettenschwindel.
Neben der Dauer verlangt ein Sabbatical auch eine sorgfältige Vorbereitung und klare Regelungen zur Stellvertretung. Gregor Meier, Brenns Stellvertreter, war lediglich im SRF-Club zu hören und nicht im Studio präsent.
Klare Regeln seien zudem für Krisensituationen erforderlich: Wann muss die abwesende Führungskraft wieder eingreifen? Brenn betonte zwar seine Beteiligung an strategischen Entscheidungen während seines “Sabbaticals”, was nach Buckmann in Ausnahmen gerechtfertigt sein könnte. Ein Sabbatical bedeute aber, dass man sich vollständig vom operativen Geschäft abkoppelt.
Buckmann schlussfolgert: Ein Sabbatical sei keine verlängerte Urlaubszeit, sondern eine bewusst geplante Auszeit mit klaren Regeln. Im Fall Brenns scheinen diese nicht vorhanden gewesen zu sein, was die Frage aufwirft, ob es sich wirklich um ein Sabbatical handelte oder lediglich um eine umständliche Bezeichnung einer kurzen Abwesenheit.
Zum Schluss erwähnt das SRG-Management gegenüber Nau.ch, dass Chefin Susanne Wille kein Sabbatical plant. Sie konzentriere sich stattdessen auf die unternehmensweite Transformation der SRG im Rahmen von Enavant.