Simon Geissbühler, der Schweizer Botschafter in Tel Aviv, hoffte wie viele im Nahen Osten und Mitteleuropa am Mittwochmorgen auf eine Waffenruhe. Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, mit dem Iran zu verhandeln, bleibt die Lage für Israel unklar, wie Geissbühler gegenüber der Weltwoche erklärte. Er sandte den 33. Situationsbericht seit Beginn des Konflikts an das Bundesamt in Bern. Die Schweizer Botschaft in Tel Aviv ist trotz über fünf Wochen andauerndem Bombenhagel voll funktionsfähig. “Sicherheit für mein etwa 20-köpfiges Team steht an erster Stelle”, betonte Geissbühler. Die Aufrechterhaltung der konsularischen Dienste für die rund 25.000 Schweizer Staatsangehörigen in Israel und alle, die diese beanspruchen, ist die zweite Priorität. “Trotz der Herausforderungen konnten wir unsere Operationen während des Krieges aufrechterhalten”, fügte Geissbühler hinzu. “Mit ein wenig Bescheidenheit: Darauf sind wir stolz.” Über das Telefon ist zu spüren, dass die Bombardierungen auch beim Botschafter und seinem Team Spuren hinterlassen haben. Seit dem 28. Februar gab es etwa 150-mal Sirenenalarm, was bedeutet, dass sie drei- bis viermal am Tag oder mitten in der Nacht zum Schutzraum eilen mussten. Obwohl die Schweizer Botschaft bisher nicht getroffen wurde und Geissbühler nicht annimmt, dass sie gezielt angegriffen wird, sind iranische Raketen mit Streu-Sprengköpfen unberechenbar und können erhebliche Schäden verursachen. Ein einzelner Sprengkopf könnte einen Bus oder eine Wohnung zerstören. Geissbühler dokumentierte zuletzt auf dem Kurznachrichtendienst X einen Einschlag nahe der Residenz, in der seine Familie lebt, und erinnerte die Schweizer Gemeinschaft an die Sicherheitsvorschriften. Der Iran bombardiert fast täglich den Großraum Tel Aviv mit Cluster-Bomben, wo sich viele Botschaften befinden. “Einige Länder haben ihre Vertretungen geräumt oder eingeschränkt”, sagte Geissbühler. Doch er und sein Team arbeiten so zusammen, dass nicht alle ständig in der Botschaft anwesend sein müssen. Eine Schließung oder Flucht aus Tel Aviv kam nie zur Debatte. “Die Schweiz muss präsent bleiben, um Hilfe zu leisten”, betonte Geissbühler. Wie sich ein möglicher Waffenstillstand auf Israel auswirken wird, bleibt abzuwarten. Die israelische Armee meldete am Mittwoch Luftangriffe im Süden des Libanons und in Beirut. Unabhängig davon haben Botschafter Geissbühler und sein Team sich an die extremen Bedingungen gewöhnt. “Jeder, der solche Erfahrungen macht, wird traumatisiert”, sagte er. Die Herausforderung werde darin bestehen, mit diesen Traumata umzugehen.