Die Kosten für Versicherungen von Frachtern im Persischen Golf sind in die Höhe geschnellt. Um dem entgegenzuwirken, hat die US-Regierung Pläne initiiert: sie beabsichtigt, den Schweizer Giganten Chubb aus Zürich ins Boot zu holen. Anstatt wie gewohnt andere Länder zur Zahlung aufzufordern, bietet Donald Trump nun 20 Milliarden Dollar an. Dieser ungewöhnliche Zug verdeutlicht die schwierige Lage, in die er sich mit dem Iran-Konflikt manövriert hat: Die USA möchten diese Summe bereitstellen, um Versicherungskosten für Schiffe zu senken und damit die Durchquerung der Strasse von Hormuz, einem wichtigen Energieversorgungsstrang, wieder attraktiver zu gestalten. Inmitten des Raketen- und Drohnenregens auf Tanker und Containerschiffe im Persischen Golf mag eine Versicherung überflüssig erscheinen. Doch ohne sie setzen sich kaum Frachter in See – es sei denn, sie sind Teil einer illegalen Schattenflotte wie jener von Russland oder Iran, die Sanktionen umgeht. Fast alle Handelsgeschäfte werden durch externe Geldgeber finanziert, meist Banken, die Versicherungsschutz verlangen. Selbst wenn Trump eine Feuerpause mit Teheran erreicht oder Militäreskorten bereitstellt: Entscheidend ist, ob Reeder und Händler ihre Schiffe langfristig fahren lassen. Das geschieht ohne Versicherung nicht. Seit Beginn des Konflikts haben sich die Prämien im Persischen Golf massiv erhöht; sie verzehnfachten sich zeitweise, meldet Lloyd’s List. Ein großer Öltanker im Wert von 140 Millionen Dollar kostete bis zu 14 Millionen Dollar allein für den Versicherungsschutz der Passage durch die Strasse von Hormuz. Die Prämien variieren je nach Herkunft: Westliche Schiffe werden potenziell eher Ziel iranischer Attacken. Die US-Regierung hat deshalb die International Development Finance Corporation (DFC) mit 20 Milliarden Dollar ausgestattet, um günstigere Prämien zu ermöglichen. Die DFC wählte Chubb als Leitungsträger für diese Aufgabe. Obwohl Chubb in der Schweiz ansässig ist und nur 95 Mitarbeiter dort beschäftigt, erzielte das Unternehmen im Jahr 2025 einen Umsatz von 60 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 10 Milliarden Dollar. Ursprünglich eine amerikanische Firma, verlegte ACE ihren Sitz nach Zürich, um die Rechtssicherheit zu nutzen, bevor sie 2016 Chubb übernahm. Chubb ist an der New Yorker Börse notiert und konzentriert sich auf Unternehmenskunden. Obwohl es viele Anbieter im Markt gibt, sind Versicherungen für Kriegsgebiete wie den Persischen Golf komplexer geworden. Richard Watts von HR Maritime betont, dass höhere Prämien in solchen Gebieten sinnvoll seien, da die Risiken steigen. Trotz Trumps Angebot herrscht Skepsis: Ein europäischer Konzern hinter vorgehaltener Hand bezweifelt dessen Notwendigkeit, da Versicherungen über Lloyd’s verfügbar sind. Die Umsetzung der 20 Milliarden Dollar bleibt unklar. Richard Watts weist darauf hin, dass Sicherheit für Reeder und Crews oberste Priorität hat. Auch Arsenio Dominguez von der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) sieht Militäreskorten mit Versicherungsschutz als nicht nachhaltig an. Im Roten Meer zeigte sich ähnliches: Nach dem Ende der Angriffe durch Huthi-Rebellen dauerte es bis zum Jahreswechsel, bis Reedereien die Passage wieder nutzten – eine Unsicherheit, die jetzt auch im Iran-Konflikt besteht.