Donald Trumps plötzliche Kehrtwende in der militärischen Auseinandersetzung um die Straße von Hormus ist kein Zufall. Innerhalb weniger als 48 Stunden wurde deutlich, dass das US-Militäreinsatz unter dem Namen “Project Freedom” nicht den gewünschten Erfolg brachte: Die Kontrolle über die Energieströme ging nicht verloren; im Gegenteil, Iran verstärkte seine Macht durch einen Angriff auf eine Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate. Jede abgefeuerte Rakete erhöhte das Risiko einer Eskalation und eines Zusammenbruchs der prekären Waffenruhe.
Trump scheint ein weiteres militärisches Eingreifen zu diesem Zeitpunkt vermeiden zu wollen. In Washington kursiert seit Mittwochmorgen die Hoffnung auf ein “one-page memorandum”, das den Konflikt beenden könnte. Ein solcher Deal, der auf einer Seite Platz findet, wäre eher eine Absichtserklärung mit vielen Unwägbarkeiten. Dennoch scheint Trump große Zuversicht zu haben und verkündet auf seinem Social-Media-Kanal Truth Social in Großbuchstaben von einem “Großen Fortschritt” hin zu einem “Kompletten und Endgültigen Abkommen”.
Die 14 Punkte, die laut der Nachrichtenseite “Axios” in dem Dokument stehen sollen, bringen kaum Neues. Falls sich beide Seiten einig werden, würde dies das Ende des Konflikts bedeuten. Eine Verhandlungsrunde von 30 Tagen wäre in Islamabad oder Genf geplant. Beide Parteien würden ihre Präsenz an der Straße von Hormus schrittweise reduzieren. Es sei darauf hingewiesen, dass “Axios” bereits mehrfach berichtete, ein Abkommen stehe kurz bevor – es trat jedoch bisher nicht in Kraft.
Sollte das Abkommen realisiert werden, so berichten Quellen, beinhaltet es eine zeitliche Aussetzung der iranischen Urananreicherung und später eine tiefere, nicht waffenfähige Anreicherung. Im Gegenzug sollen US-Sanktionen gelockert und eingefrorene Vermögenswerte freigegeben werden. Viele Beobachter sehen Parallelen zum von Präsident Obama ausgehandelten Nuklearabkommen, das später von Trump für nichtig erklärt wurde.
Trump steht vor der Wahl: Entweder er akzeptiert ein Abkommen, das mehr den Interessen Teherans als denen Washingtons entspricht, oder er muss militärisch eskalieren und einen Regimewechsel in Iran anstreben. Jede Zwischenlösung würde den Status quo beibehalten. Deshalb könnte dieses Abkommen für die Trump-Regierung momentan der beste Ausweg sein.
Pascal Weber, seit 1999 bei SRF tätig und studierter Politikwissenschaftler, Geschichte und Völkerrecht an der Universität Zürich, war von 2010 bis 2021 Nahostkorrespondent in Tel Aviv, Kairo und Beirut. Er veröffentlichte zwei Bücher und ist heute als USA-Korrespondent in Washington tätig.
Tagesschau kompakt, 6.5.2026, 12:45 Uhr