Mit einem ausgeglichenen Verhältnis beginnt die Volksinitiative gegen eine Bevölkerung von über zehn Millionen Schweizer Bürger ihren Abstimmungskampf. Laut einer Umfrage der SRG SSR stimmen jeweils 47 Prozent für und gegen die Initiative, während sechs Prozent noch unentschlossen sind.
Die Meinungsfindung zur Vorlage ist weit fortgeschritten: Rund 80 Prozent der Wahlberechtigten haben bereits eine klare Haltung. Die politische Strukturierung der Stimmabsichten zeigt sich deutlich bei der Parteizugehörigkeit. Bei den Anhängern der SVP ist die Zustimmung besonders hoch: 95 Prozent unterstützen die von der SVP initiierte Vorlage, wie Politikwissenschaftler Lukas Golder feststellt.
Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 hat sich die Bevölkerung um etwa 1.7 Millionen Menschen erhöht, hauptsächlich durch Zuwanderung, beeinflusst vom Arbeitsmarkt. Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative) » zielt darauf ab, die ständige Wohnbevölkerung zu begrenzen: Vor 2050 soll diese unter zehn Millionen bleiben. Übersteigt sie vorher 9.5 Millionen, müssen der Bundesrat und das Parlament Massnahmen ergreifen.
Die linken Parteien lehnen die Initiative entschieden ab: 81 Prozent bei den Grünen, 88 Prozent bei der SP. Die FDP zeigt sich geteilt, wobei mehr zur Ablehnung neigen (48 Prozent) als zur Zustimmung (43 Prozent). Lukas Golder bemerkt, dass innerhalb der FDP eine intensive Debatte über die Migrationspolitik stattfindet.
Das Vertrauen in die Regierung beeinflusst ebenfalls die Stimmabsichten: Ein geringes Vertrauen korreliert mit einer höheren Unterstützung für die Initiative, während jene mit hohem Vertrauen sie mehrheitlich ablehnen. Soziodemografische Faktoren spielen eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu politischen Einflüssen. Männer neigen etwas stärker zur Zustimmung (50 Prozent) als Frauen (44 Prozent), während die mittlere Altersgruppe (40–64 Jahre) die Vorlage knapp annimmt. Die größte Ablehnung gibt es bei den 18- bis 39-Jährigen mit 52 Prozent.
In den Sprachregionen zeigen sich Unterschiede: In der französischsprachigen Schweiz ist die Ablehnung ausgeprägter und die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. In der Deutschschweiz und Italienischschweiz hingegen herrscht ein ausgeglicheneres Bild. Die Zustimmung ist in ländlichen Gebieten und Agglomerationen etwas höher als in städtischen Räumen.
Die Masseneinwanderungsinitiative führte zu einer Ja-Mehrheit, doch Lukas Golder sieht es wahrscheinlicher, dass sich die Menschen mehr mit den Schwachstellen der Initiative auseinandersetzen, insbesondere im Hinblick auf die EU und Bilaterale. Eine populistische Aufladung könnte ebenfalls eine Protestabstimmung auslösen.
Dennoch bleibt das Ausgangsergebnis offen; kleine Veränderungen in der Mobilisierung oder Argumentgewichtung könnten den knappen Stand kippen, so die Einschätzung von GFS Bern. Die Umfrage wurde vom 20. April bis zum 3. Mai 2026 durchgeführt und umfasste Antworten von 19’728 stimmberechtigten Teilnehmern. Der statistische Fehler beträgt ±2.8 Prozentpunkte.
Die telefonisch Befragung umfasste 501 Stimmbürger, mit Interviews per Festnetz und Handy in einer sprachregional gewichteten Stichprobe. Ergänzend wurden online bereinigte Angaben von 18’721 Personen sowie via Social Media Daten von 506 Personen herangezogen. Durch Gewichtungen an soziodemografische und politische Faktoren wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert.