Die Schweiz steht vor einer wichtigen Abstimmung über die sogenannte 10-Millionen-Schweiz. Die Angst vor Überbevölkerung ist tief verwurzelt in der Geschichte, doch oft trafen die Prognosen nicht das spätere Geschehen. Der Tod des US-Biologen Paul R. Ehrlich und eine Volksinitiative hierzulande zeigen Parallelen im Unbehagen über eine zu große Bevölkerungszahl. Ehrlich, bekannt durch seinen Bestseller “Die Bevölkerungsbombe”, beeinflusste mit seinen düsteren Prognosen die demografischen Debatten der vergangenen Jahrzehnte erheblich, obwohl seine Vorhersagen meistens fehlschlugen. Gleichzeitig gewinnt im Land die SVP-Initiative “Keine 10-Millionen-Schweiz!” an Fahrt, welche eine Obergrenze für die Bevölkerungszahl vorsieht – ein ungewöhnlicher Ansatz weltweit.
Aktuell zählt die Schweiz rund 9,1 Millionen Einwohner, was einen Rekord darstellt. Die Bevölkerung wächst weiter angetrieben durch eine starke Wirtschaft und Zuwanderung. Die Debatte um Überbevölkerung ist jedoch oft emotionaler Natur als statistisch begründet. Der britische Ökonom Thomas Malthus hatte bereits 1798 mit seinem “Bevölkerungsgesetz” die Diskussionen geprägt, indem er prophezeite, dass das Bevölkerungswachstum exponentiell und die Nahrungsproduktion nur linear steigen würde. Seine Vorhersagen von Katastrophen blieben jedoch aus.
Paul Ehrlich knüpfte in den 1960er Jahren an Malthus’ Thesen an, präsentierte seine düsteren Visionen mit drastischen Lösungsansätzen wie Belohnungen für Kinderlosigkeit oder Sterilisierungsprogramme. Auch die Studie “Die Grenzen des Wachstums” von 1972 thematisierte Überbevölkerung als ein zentrales Problem.
In der Schweiz führten Sorgen um Bevölkerungszuwachs und Migration zu zahlreichen Diskussionen und Abstimmungen. Die Initiative “gegen Masseneinwanderung” von 2014 sowie die Ecopop-Initiative zeugen davon, dass das Thema weiterhin aktuell ist.
Heute zeigen Prognosen ein anderes Bild: Während sich die Weltbevölkerung dem Höhepunkt nähert, sinken in vielen Ländern die Geburtenraten. Paul Ehrlich sah darin keinen Grund zur Beunruhigung und betrachtete Überalterung als positiv. Die aktuelle Debatte um eine 10-Millionen-Schweiz bleibt kontrovers – wie viele Menschen verträgt das Land wirklich, ohne seine Lebensgrundlagen zu gefährden?