Henri Matisse, der französische Meister der Moderne, erreichte in seinem Spätwerk eine Höchstform. Das Pariser Grand Palais zeigt nun diese entscheidende Phase seines Schaffens umfassend.
Matisse galt als international hoch gehandelter Künstler und war Anfang 70, als er sich einer riskanten Operation unterziehen musste, die sein Leben an den «Haar» einer Angorakatze band. Nach fünf Jahrzehnten voller epochaler Werke – Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken sowie keramische und plastische Arbeiten – konnte er als Rekonvaleszent mit dem Beginn seines so genannten «zweiten Lebens» fortfahren. Dieses Spätwerk schuf er im Bett, auf einem Rollstuhl oder Sessel und zeichnete sich durch überraschende Kraft aus.
Hervorzuheben sind die Collagen mit leuchtenden Farbformen, geschnitten mit der Schere aus vorher gouachiertem Papier. Inspiriert von einer Südseereise entstanden Werke wie «Algen und Korallen», sowie menschliche Figuren darunter die ikonischen «Nu bleu I–IV» – vier blaue Akte, die eine sitzende Frau mit verschränkten Beinen zeigen.
Die Ausstellung im Grand Palais konzentriert sich auf Matisse’s Schaffen der Jahre 1941 bis 1954. Zu sehen sind Gemälde, darunter das Ensemble «Intérieurs de Vence» und sein letztes Bild «Katia à la chemise jaune». Seine Arbeitsweise zeichnete sich durch mehrere Etappen aus, bei denen er den ersten «état» wischte und weiterarbeitete.
Neben Gemälden widmete Matisse sich auch Buchillustrationen wie dem berühmten Album «Jazz», das von Assistentinnen gemäß seinen Anweisungen zusammengestellt wurde. In dieser Zeit lebte er an der Côte d’Azur in Vence und Nizza.
Das Centre Pompidou präsentiert Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter Werke der Barnes Foundation, die bislang kaum ausgeliehen wurden. Das plastische Spätwerk bleibt jedoch außen vor, ebenso wie Fotografien des Künstlers in seinem Atelier.
Die Ausstellung zeigt rund 300 Exponate von bester Qualität und lässt Matisse’s Energie durch räumliche Setzungen der Szenografen wirken. Sie folgt seinen ästhetischen Prinzipien, die eine Synthese aus Malerei und Scherenschnitten darstellen, ohne Brüche zu erkennen.
Matisse, 1941–1954, Grand Palais, Paris, bis 26. Juli, Katalog 45 Euro.