Trotz strikter Regeln in Schweizer Stadien, die den Verkauf von Aluminiumdosen und Glasflaschen untersagen, haben sich bei der Europameisterschaft scheinbar andere Standards durchgesetzt. In den Stadien werden Getränke normalerweise in wiederverwendbaren Plastikbechern oder Recyclingholzbechern ausgeschenkt, wie etwa im Berner Wankdorf. Doch während der Frauen-Fußball-EM wird in fünf von acht Schweizer Städten (Basel, Bern, Genf, Thun und Zürich) Aludosen verkauft.
Diese Dosen werden durch spezielle Maschinen an Ort und Stelle entdeckelt und die Ränder abgerundet, wodurch sie praktisch zu Bechern umfunktioniert werden. Diese Praxis steht im Widerspruch zur von der UEFA und den Gastgeberstädten betonten Nachhaltigkeitsrhetorik. Die Europameisterschaft sollte neue Standards in Sachen Nachhaltigkeit setzen, doch die Verwendung von Einwegdosen wirft Fragen auf.
Die UEFA setzt sich mit dem Aludosenverkauf über lokale Gesetze und Vorschriften hinweg. So gilt beispielsweise in Basel eine Mehrwegpflicht für öffentliche Veranstaltungen, während die Berner Verordnung Mehrweggeschirr bei bewilligungspflichtigen Anlässen vorschreibt, wie SRF berichtet. Marc Heeb von der Host-City Bern betont gegenüber dem Schweizer Fernsehen: «Wo wir es beeinflussen können, setzen wir Mehrwegsysteme ein». In Fanzonen hingegen werden Bierbecher aus Kunststoff verwendet, nicht wie in den Stadien die Dosen.
Die Berner Wirtschaftsdirektion erklärt, dass die Mehrwegpflicht nur für einzelne Veranstaltungen gilt. Das Stadion Wankdorf habe aufgrund seiner langfristigen Betriebsbewilligung eine Ausnahme erhalten. In Basel können laut Gesetz in besonderen Fällen Aludosen verkauft werden, wenn keine Mehrwegalternativen verfügbar sind.
Im Basler St. Jakob-Park war ein Einsatz von Mehrweggeschirr jedoch möglich, wie beim FC Basel üblich. Das Basler Wirtschaftsdepartement erklärt gegenüber SRF: «Die Aludosen im Stadion sind Teil eines UEFA-Pilotversuchs zur Erfahrungssammlung in der Testphase». Die UEFA scheint als Veranstalter der Europameisterschaft eine Sondergenehmigung erhalten zu haben.
Jo Vergeat, Grünen-Kantonsparlamentarierin aus Basel, äußert Unverständnis und Kritik: «Es wird ein bestehendes Mehrwegsystem ausgehebelt – das ist schwer nachvollziehbar. Es scheint, als wäre ein kleinerer Veranstalter ohne diese Ausnahme geblieben» (nih/watson.ch).