Durch die hohen Energiepreise fließen Russland Milliardenbeträge zu, was die ukrainischen Angriffe auf dessen Energieanlagen erklärt. So wurden am Montagmorgen Anlagen im Hafen von Noworossisk attackiert. Die gestiegenen Preise für Öl und Gas haben Russland im März zusätzliche 7 bis 8 Milliarden Dollar eingebracht, was die Staatskasse stärkt und die durch Rüstungsausgaben belastete Wirtschaft entlastet. Gleichzeitig wurden westliche Sanktionen gelockert, was weitere Herausforderungen für die Ukraine darstellt.
Die ukrainische Armee setzt verstärkt Drohnen ein, um russische Exportinfrastruktur zu treffen und so den Profit zu schmälern. In der Nacht auf Montag griffen ukrainische Drohnen Noworossisk an, wie Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigen. Dort entstand Feuer im Hafengelände; das Terminal Schescharis, ein zentraler Ölumschlagplatz, wurde getroffen.
Noworossisk ist Russlands wichtigster Schwarzes-Meer-Hafen und hat an militärischer Bedeutung durch die Verlegung von Kriegsschiffen von der Krim gewonnen. Bereits am 2. März gab es Angriffe auf den Hafen, wobei nun auch zivile Opfer zu beklagen sind: Acht Menschen wurden verletzt, darunter zwei Kinder.
Nach Attacken auf die Ostseehäfen Primorsk und Ust-Luga in der Oblast Leningrad, an denen rund 40 Prozent des russischen Seeverkehrsöltransports hängt, entstanden Russland Schäden von fast einer Milliarde Dollar. Der Leiter des Energieprogramms der Kyiv School of Economics bestätigte diese Zahl gegenüber der “Financial Times”.
Trotz Anfragen westlicher Partnerländer unter Präsident Wolodimir Selenski, die Angriffe auszusetzen, lehnt Kiew dies ab, solange der Konflikt andauert. Neben Häfen wurden auch andere Infrastrukturen angegriffen, etwa eine Raffinerie in Nischni Nowgorod.
Trotz intensiver russischer Bemühungen um einen besseren Schutz ihrer Anlagen bleibt ein vollständiger Schutz unrealistisch, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow bemerkte. Auch die Ukraine kämpft mit Angriffsrisiken: In der Nacht auf Sonntag flogen 141 Drohnen und Raketen über das Land, von denen nur 114 abgeschossen wurden. Odessa wurde stark getroffen, Tschernihiw litt unter Stromausfällen nach Einschlägen in einem Kraftwerk.