“Santiago war ein sehr sensibler Junge,” erinnert sich seine Mutter. “Der Schmerz ist unbeschreiblich, grauenhaft. Es ist das größte Leid, das Eltern erleben können – der Verlust eines Kindes durch Suizid.”
“Manuel war unser Sohn,” reflektiert sein Vater. “Mit 15 Jahren schien er auf dem Weg zu mehr Glück. Doch etwas Verborgenes lag in seinem Inneren, was wir nicht erkannten.” Manuel nahm sich mit nur 15 Jahren am 17. April 2024 das Leben; Santiago war 19 Jahre alt und starb am 15. Februar des Vorjahres.
Jährlich verlieren etwa 30 Schweizer Jugendliche die Hoffnung, weiterzuleben. Bei jungen Erwachsenen zwischen 19 und 25 Jahren verdoppelt sich diese Zahl. Suizid ist zu einer der häufigsten Todesursachen in diesen Altersgruppen avanciert – ein stummer Schrei.
“Es herrscht eisernes Schweigen,” konstatiert Fabrizio, Santiagos Vater. “Ein Schweigen aus Respekt und eines durch Unwissenheit. Es muss gebrochen werden.” Susana, Santiagos Mutter, ergänzt: “Das Tabu sollte nicht bestehen bleiben. Man muss den Jugendlichen sagen: Wenn du solche Gedanken hast, ändern wir alles, es gibt immer einen Weg heraus.”
Die Anzahl der Suizidgedanken unter Jugendlichen steigt. Im Jahr 2022 gaben 23 Prozent der Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren an, solche Gedanken gehabt zu haben; über 7 Prozent der Mädchen und fast 3 Prozent der Jungen hatten in den letzten fünf Jahren versucht, sich das Leben zu nehmen.
Jann Schumacher vom Bundesamt für Gesundheit betont: “Es gibt einen Anstieg an Suizidgedanken insbesondere bei Jugendlichen. Die Zahl der Spitaleinweisungen nach Suizidversuchen ist stark gestiegen.” Eine Schulmediatorin bemerkt, dass Jugendliche ängstlicher und zerbrechlicher geworden sind: “Sie leben in einer Gesellschaft, die Leistung verlangt. Dieser Druck dringt in die Schule ein und führt zum Bruch.”
Alessio, ein Mitschüler Santiagos, beschreibt das Gefühl: “Eine schlechte Note ist mehr als eine Bewertung – sie sagt uns, dass wir nichts wert sind.”
Nach dem Verlust eines Kindes bleibt die Trauer bestehen. Manuels Eltern berichten von der Isolation nach der Beerdigung, doch aus Liebe zu den Hinterbliebenen geht das Leben weiter.
Susana gründete den Verein “Von Herz zu Herz” als Reaktion auf ihren Schmerz und um anderen Jugendlichen zu helfen. Die Diskussion über Jugendsuizid eröffnet Wege für Zuhören, Eingreifen und Rettung.
RSI, Falò, 31.3.2026, 20:50 Uhr; weds