Viele Ukrainer haben seit November ihre Asylanträge in der Schweiz zurückgezogen, veranlasst durch die neue Praxis des Bundes. Diese sieht vor, dass mehrere westukrainische Regionen trotz bestehender russischer Luftangriffe als sicher für eine Rückkehr gelten. Laut dem Staatssekretariat für Migration ist dieser Schritt bei vielen Betroffenen zu beobachten.
Nach Informationen von Radio SRF in der Sendung «Heute Morgen» hat mehr als die Hälfte der Gesuche von Ukrainerinnen und Ukrainern gar nicht negativ beschieden werden müssen, da entweder zurückgezogen oder durch Abreise in andere europäische Länder erledigt wurden. Magdalena Rast, Sprecherin des SEM, vermutet, dass ein Teil der Rücknahmen auf Gespräche mit den Antragstellenden zurückzuführen ist, bei denen ihnen die geringen Chancen auf Gewährung des Schutzstatus S erläutert wurden. Wie viele Ukrainer tatsächlich abgereist sind, wird nicht dokumentiert.
Mit Wirkung zum 1. November erhalten Ukrainer aus den westlichen Regionen Wolyn, Riwne, Lwiw, Ternopil, Transkarpatien, Iwano Frankiwsk und Tscherniwzi grundsätzlich keinen Schutzstatus mehr und werden in die Schweiz verwiesen. Diese geografische Differenzierung wird von NGOs kritisiert, da russische Luftangriffe auch im äussersten Westen der Ukraine auftreten.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 sind Millionen Menschen geflüchtet; rund 70.000 davon fanden in der Schweiz Zuflucht. Wladimir Putin strebt eine Einverleibung der Ukraine an und betrachtet Ukrainer als Russen, wie er im Sommer 2021 darlegte.