Nach einem beeindruckenden Sieg bei den Parlamentswahlen hat Ungarns Oppositionsführer Peter Magyar einen Neubeginn für das EU- und Nato-Mitglied angekündigt. Vor einer jubelnden Menge am Donauufer in Budapest verkündete er: «Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt, gemeinsam haben wir Ungarn befreit.» Laut der Wahlkommission hat seine Tisza-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erreicht, was Magyar ermöglicht, Verfassungsänderungen und den Austausch von Amtsträgern, die von Orban ernannt wurden, durchzuführen. Ohne diese Mehrheit wäre das Verfassungsgericht in der Lage gewesen, Reformen des neuen Tisza-Regierungsvorhabens zu blockieren.
Die Wahl gilt als entscheidendster Wählerentscheid seit dem Übergang zur Demokratie 1989/90. In seiner Amtszeit seit 2010 errichtete Orban einen halb-autoritären Staat, lenkte Ungarn auf Konfrontationskurs mit der EU und verbündete sich mit Russland sowie der Trump-Administration in den USA.
Orban verhinderte durch seine Vetos entscheidende Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine, was die Handlungsfähigkeit der EU gefährdete. Aufgrund von Rechtsstaatsverstößen hat die EU finanzielle Unterstützungen für Ungarn gestoppt.
Viktor Orban räumte seine Wahlniederlage ein und versprach, auch aus der Opposition heraus Ungarn zu dienen: «Wir werden der ungarischen Nation und unserem Heimatland weiterhin dienen.»
Magyar plant die Beziehungen zwischen Ungarn, der EU sowie den westlichen Partnern zu verbessern. Seine Worte an die jubelnden Anhänger lauteten: «Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt, gemeinsam haben wir Ungarn befreit.»
Nach Magyars Wahlsieg gratulierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X: «Ungarn hat Europa gewählt.» Sie betonte die gegenseitige Unterstützung zwischen Europa und Ungarn, indem sie hinzufügte: «Die Union wird stärker.»
Alain Berset, Generalsekretär des Europarats, gratulierte ebenfalls Magyar zu seinem Erfolg und schrieb auf X: «Ungarn hat sich entschieden. Gratulation an Peter Magyar zum Wahlsieg.”
Der Herausforderer Magyar kam ursprünglich aus der Fidesz-Partei, verließ diese jedoch zwei Jahre vor den Wahlen. Er konnte nicht mehr die Machtausübung von Orban akzeptieren und gründete eine starke Bürgerbewegung, welche die Partei Tisza stützt.
Im Wahlprogramm versprach er eine politische Erneuerung des Landes, den Kampf gegen Korruption und Misswirtschaft sowie die Reparatur der Beziehungen zur EU und zu westlichen Partnern. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent einen Rekordwert.
SRF 4 News, 12.4.2026, 14:00 Uhr; dpa/reuters/kurn; fulu; baec