Bereits vor Saisonende ist die Zahl der Todesopfer durch Lawinen auf mindestens 127 angestiegen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Fachleute führen dies sowohl auf klimatische Veränderungen als auch auf riskanteres Freizeitverhalten zurück.
Seit Beginn der Saison am 1. Oktober 2025 haben die vom European Avalanche Warning Service (EAWS) erfassten Daten in Europa bereits 127 Todesfälle verzeichnet, vorwiegend in den Alpen sowie anderen Gebirgen wie den Karpaten. Die höchste Anzahl an Opfern wurde in Italien (33), gefolgt von Frankreich (31) und Österreich (29) gemeldet. In der Schweiz kamen 15 Menschen ums Leben, was im Vergleich zu den letzten beiden Wintern mit jeweils 20 Todesfällen eine Verringerung darstellt. Deutschland verzeichnete in dieser Saison keine Todesopfer, nachdem zuletzt ein Verlust in der Saison 2023/24 zu beklagen war.
Die Zahl der Lawinentoten ist im Winter 2025/26 europaweit ungewöhnlich hoch. Nur einmal im letzten Jahrzehnt wurde diese Marke übertroffen: Im Winter 2017/18 gab es 147 Todesopfer, während es im Winter 2020/21 131 waren. Der langjährige Durchschnitt liegt bei etwa 100 Todesfällen pro Winter in Europa.
In den Gefahrenstufen der Lawinenwarnungen gilt Stufe 3 als kritisch, ab welcher die meisten Unfälle auftreten. Die Zeit ist entscheidend für Rettungsversuche – verschüttete Personen haben nur eine kurze Frist zur Rettung.
Experten führen den Anstieg in diesem Winter unter anderem auf den Klimawandel zurück, der die Schneedecke instabiler macht. Starke Winde können zudem gefährlichen Triebschnee erzeugen, welcher oft zu Schneebrettern führt und vor allem im südlichen Alpenraum problematisch ist.
Neben klimatischen Faktoren spielt das Verhalten der Menschen eine wesentliche Rolle. Skitouren und Abfahrten abseits gesicherter Pisten werden zunehmend beliebter. Richard Lehner, Bergretter aus Zermatt, äußerte gegenüber der NZZ, dass vielen Menschen der Respekt vor dem Gebirge fehlt. Eine Auswertung von Regahin zeigt einen Anstieg der Helikoptereinsätze um 3,7 Prozent auf 15 265 im Jahr 2025 und bei Primäreinsätzen sogar um 5 Prozent. Lehner bemängelte, dass Menschen häufiger in riskante Situationen geraten, ohne ausreichend Zeit für die Planung zu nehmen.
Viele reagieren erst spät auf ihre Grenzen und rufen dann den Helikopter zur Rettung.