Der britisch-niederländische Konzern Unilever konzentriert seine Bemühungen künftig auf die Bereiche Schönheitspflege und Reinigungsmittel, darunter bekannte Marken wie Dove-Seifen und Omo-Waschmittel. Der Nahrungsmittelsektor mit Traditionsmarken wie Knorr oder Hellmann’s wird hingegen in einer Fusion mit dem US-amerikanischen Gewürzgiganten McCormick zusammengeführt.
Im Bereich der Konsumgüterhersteller ist die Diskussion um ein breites oder fokussiertes Sortiment seit Jahren präsent. Unilever, ähnlich wie Nestlé, hat nun einen entscheidenden Schritt gemacht und am Dienstag eine Transaktion mit McCormick bekannt gegeben. Dabei wird Unilevers Lebensmittelsparte abgespalten und anschließend mit McCormick fusioniert. Im Austausch erhalten Unilever und seine Aktionäre 65 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen sowie eine Barzahlung von 15,7 Milliarden Dollar. Die Transaktion schätzt die Lebensmittelsparte auf einen Wert von 44,8 Milliarden Dollar. Beide Firmen erwarten jährliche Einsparungen in Höhe von 600 Millionen Dollar. McCormick behält seinen Namen und Sitz im US-Bundesstaat Maryland bei, plant aber auch die Einrichtung eines internationalen Hauptsitzes in den Niederlanden sowie eine Zweitbörsennotierung in Europa neben der bereits bestehenden in New York.
Zukünftig zählen bekannte Unilever-Marken wie Knorr und Hellmann’s zum Portfolio des fusionierten Unternehmens. Unilever hat zudem das Glace-Geschäft in eine an der Börse notierte Firma, The Magnum Ice Cream Company, ausgegliedert und sich bereits früher von Margarine- und Teesparten getrennt.
Der Konzern wurde 1930 durch den Zusammenschluss des niederländischen Unternehmens Margarine Unie mit dem britischen Seifenhersteller Lever gegründet. In der Schweiz unterhält er eine Produktionsstätte in Thayngen (SH), wo etwa Aromat produziert wird.
Mehrere Faktoren sprechen für diese Entscheidung: das begrenzte Wachstumspotenzial der Food-Marken in Industrieländern, die kritische Haltung gegenüber hochverarbeiteten Lebensmitteln sowie zunehmende Regulierungen. Preiserhöhungen haben zudem dazu geführt, dass Verbraucher zu günstigeren Eigenmarken wechseln.
Ein Trend der letzten Jahre war die Umwandlung großer Konglomerate in fokussierte Firmen, teils angetrieben durch Finanzinvestoren, die von einer erhöhten Schlagkraft und stärkerem Wachstum durch Konzentration auf Kernbereiche ausgehen.
Unilever musste seit vier Jahren mit dem aktivistischen Aktionär Nelson Peltz umgehen, der auch im Verwaltungsrat sitzt. In dieser Zeit gab es bereits einen Wechsel des CEOs und Ankündigungen zu einem massiven Stellenabbau.
Obwohl die Trennung von Unilevers Lebensmittelsparte zunächst auf Zustimmung stieß, äußerten Kritiker Bedenken hinsichtlich der operativen Belastung durch den komplexen Abspaltungsprozess nach dem Glace-Umbau.
Nestlé, das ebenfalls seine Konzernstruktur vereinfachen möchte, bleibt mit einem breiten Sortiment von Kaffee bis Kochzutaten sehr diversifiziert. Dies bietet Verhandlungsmacht gegenüber Detailhändlern.
Die Entscheidung über passende Geschäftsbereiche kann sich jedoch rasch ändern, wie am Beispiel des Ketchup-Riesen Kraft Heinz deutlich wird. Nach einer Milliardenfusion im Jahr 2015 kündigte das Unternehmen eine Aufspaltung an, die dann aber wieder zurückgestellt wurde. In dieser Zeit sollen auch Gespräche mit Unilever über eine gemeinsame Nahrungsmittelsparte geführt worden sein.
In der Branche wird die Gerüchteküche noch lange brodeln.