Die Eindämmung von Deepfake-Pornografie stellt Behörden vor Herausforderungen, da die Anbieter von Plattformen wie Undress.App geschickt Rechtslücken nutzen. Auf dieser Website können Nutzer öffentliche Fotos bearbeiten und mit wenigen Klicks entkleiden oder Gesichter in Pornos einfügen. Die ersten Bilder sind kostenlos, weitere kostenpflichtig.
Seit die deutsche Schauspielerin Collien Fernandes das Thema Mitte März öffentlich machte, ist vielen der wirtschaftliche Erfolg solcher Dienste im Vergleich zu den Opfern bewusster geworden. Doch rechtliche Maßnahmen sind erschwert durch die cleveren Taktiken der Betreiber.
Eine Recherche der NZZ ergab, dass Undress.App ihren Sitz in Belize hat – einer Adresse, bekannt aus den Panama Papers von 2016. Diese dokumentierten ein Netzwerk von Briefkastenfirmen zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche.
Belize kooperiert selten mit internationalen Rechtshilfeersuchen, was die Verfolgung erschwert. Eine britische Firma, Itai Tech Limited, wurde vier Monate nach der Registrierung von Undress.App ins Handelsregister eingetragen und warb später auf der Website. Anastasija Provotorova aus Lettland ist als Direktorin registriert und besitzt 75 Prozent der Aktien. Ihre Reisen dokumentieren ihre Social-Media-Aktivitäten, während die Rolle ihres Einflusses unklar bleibt.
Namecheap verzeichnete die URL, mit einer isländischen Firma namens Withheld for Privacy als Kontakt – ein Dienst, um Anbieter zu verschleiern. Cloudflare bietet Infrastruktur, ohne sich für Inhalt zu haften, obwohl es in anderen Fällen Zusammenarbeit beendete.
Firmen wie Undress.App nutzen verschiedene Domains mit ähnlichen Layouts, um Dienste kontinuierlich anbieten zu können. Obwohl Itai Tech für fehlende Alterskontrollen auf Undress.cc eine Buße in Höhe von 58.000 Franken zahlen musste, existieren die Seiten weiterhin.
Netzsperren könnten theoretisch gegen solche Dienste eingesetzt werden, sind aber oft wirkungslos wegen Umgehungen durch VPNs. Die effektive Bekämpfung erfordert strengere Maßnahmen ähnlich einem abgeriegelten System wie in China – eine Herausforderung für liberale Demokratien.
Anwalt Martin Steiger betont die Grenzen der Strafverfolgung im digitalen Raum. Trotzdem könnte die öffentliche Debatte um Deepnudes zu härteren Gesetzen führen, was Frauen Hoffnung gibt, Opfer solcher Verbrechen besser geschützt zu sehen.