Was würden die Deutschen wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre? Der NZZ-Wahltrend gibt auf Basis regelmäßig aktualisierter Erhebungen Aufschluss. Die neuesten Daten zeigen ein knappes Rennen zwischen CDU/CSU und der AfD, wobei letztere Ende September erstmals seit ihrer Gründung 2013 die Unionsparteien überholte.
Um eine verzerrte Darstellung des Stimmungsbilds zu vermeiden, kombiniert der NZZ-Wahltrend mehrere Umfragen verschiedener Institute. Jüngere Erhebungen werden dabei stärker gewichtet als ältere. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2025 hat sich das Kräfteverhältnis verschoben: Am 23. Februar lag die Union noch acht Prozentpunkte vor der AfD, während FDP und BSW vermutlich an der Fünfprozenthürde scheitern würden.
Trotz der Grundmandatsklausel, die es Parteien mit weniger als 5% Stimmenanteil erlaubt, bei mindestens drei Direktmandaten in den Bundestag einzuziehen, gilt dies für FDP und BSW als unwahrscheinlich. Ohne Berücksichtigung der Grundmandatsklausel reicht die gemeinsame Stimmengewinnung von Union und SPD nicht mehr für eine Mehrheit im Bundestag; auch ein Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei würde dies verfehlen.
Der Zerfall der Ampelkoalition Anfang November 2024 nach der Entlassung des Finanzministers Christian Lindner durch Bundeskanzler Olaf Scholz führte zum Vertrauensverlust im Parlament. Scholz stellte daraufhin am 16. Dezember die Vertrauensfrage, die ihm verweigert wurde, was den Weg zu Neuwahlen ebnete.
Trotz des Termins für Wahlen am 23. Februar 2025 kam es zu einem Sieg der Union, während die AfD den stärksten Stimmenzuwachs verbuchte. Der NZZ-Wahltrend errechnet sich durch einen gewichteten Durchschnitt von Umfragen, welche aufwahlrecht.de veröffentlicht wurden und setzt dabei Institute ein, die nicht ausschließlich Online-Panels nutzen. Die Fehlermarge liegt bei maximal ±3 Prozentpunkten.
Die NZZ transformiert prozentuale Stimmenanteile in Sitzverteilungen für den Bundestag nach dem Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren ohne Berücksichtigung der Grundmandatsklausel und zeigt anhand von Modellrechnungen die Stabilität möglicher Koalitionen auf. Derzeit ist die Kanzlerfrage nicht aktiv, basiert aber auf Umfragen mit einer Fehlermarge von ±1,9 bis ±3,1 Prozentpunkten.
Der zugrundeliegende Code der NZZ-Analyse ist öffentlich über Github einsehbar. Beiträge: Nikolai Thelitz, Danijel Beljan, Olivia Meyer.