Michelle Bachelet aus Chile und Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), gelten als Hauptfavoriten für die Nachfolge von António Guterres als UN-Generalsekretär. Beide setzen sich dafür ein, die Effizienz und den Einfluss der UN zu steigern. Doch die aktuelle geopolitische Lage könnte eine rasche Einigung erschweren.
Die Bewerbungsfrist endete am 1. April; bis dahin konnten die 193 Mitgliedsländer Kandidaten für das Amt vorschlagen, das Guterres nach zehnjähriger Amtszeit Ende des Jahres verlässt. Zuletzt blieben vier Namen im Rennen: Rafael Grossi aus Argentinien, Michelle Bachelet, ehemalige Präsidentin Chiles und frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Rebeca Grynspan, eine costa-ricanische Ökonomin und Generalsekretärin der UNCTAD, sowie der senegalesische Ex-Präsident Macky Sall.
Rafael Grossi betont in seinen Unterlagen die Notwendigkeit einer funktionsfähigen UN. Er befürwortet aktive Diplomatie und Fachkompetenz statt moralisierender Rhetorik, um kritische Interessengruppen nicht zu entfremden. Auch Michelle Bachelet setzt auf Reformen nach Managementprinzipien, legt jedoch einen besonderen Schwerpunkt auf Geschlechterpolitik: Die Förderung der Rolle von Frauen in der Politik soll die Wirksamkeit und Gerechtigkeit erhöhen.
Bachelets Bewerbung könnte durch Unterstützung verschiedener Organisationen profitieren, die sich für eine weibliche Generalsekretärin einsetzen. Auch Präsidentin Annalena Baerbock der UN-Generalversammlung unterstützt dieses Anliegen. Ein Nachteil Bachelets ist jedoch ihr Alter von 74 Jahren im Vergleich zu den jüngeren Konkurrenten.
Die Kandidaten müssen sich am 20. April in öffentlichen Anhörungen vorstellen und Fragen der Mitgliedsländer beantworten. Die Entscheidung liegt beim Sicherheitsrat, wo geheime Beratungen stattfinden. Der zukünftige Generalsekretär muss die fünf Vetomächte – USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – nicht gegen sich aufbringen.
Grossi könnte Vorbehalte in Moskau und Peking erfahren, während seine westliche Unterstützung stark ist. Bachelet hat durch Berichte über Menschenrechtsverletzungen an Uiguren Chinas Missfallen erregt und steht mit ihrer sozialdemokratischen Agenda möglicherweise auch in den USA auf Kritik.
Nach der geheimen Wahl im Sicherheitsrat, bei der die Vetomächte abweichende Stimmzettel verwenden, wird eine Empfehlung an die Generalversammlung gemacht. Hier entscheidet man solange, bis ein Kandidat neun Stimmen erhält und keine Vetomacht dagegen votiert.
Die UN steht vor politischen und finanziellen Herausforderungen und hat zu viele Aufgaben übernommen. Das Reformprogramm UN80 soll die Organisation effizienter machen – ein Versprechen, das sowohl Grossi als auch Bachelet unterstreichen. Doch letztlich könnte der Gewinner nicht unbedingt der stärkste Kandidat sein, sondern jener mit der meisten politischen Akzeptanz.