Die Instabilität im Nahen Osten verdeutlicht die Zerbrechlichkeit der Weltwirtschaft und die Grenzen der Globalisierung. Besonders Europa ist schlecht auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet. Der Ölpreis schwankt stark, beeinflusst von US-Präsident Donald Trumps Aussagen zum Iran-Konflikt. Unklar bleibt, wie lange der Iran die Straße von Hormuz blockieren kann.
Im besten Fall sinkt der Ölpreis auf 50 Dollar pro Fass und befeuert den Börsenboom. Realistischer ist jedoch ein erneuter Ölschock, bei dem Preise bis zu 150 Dollar möglich sind, was eine globale Rezession mit Inflationsschub zur Folge haben könnte.
Krisen werden zunehmend zur Normalität; die Welt wird fragiler und unvorhersehbarer. Ereignisse wie der Iran-Krieg, Covid-19 oder der russische Angriff auf die Ukraine zeigen den wachsenden Rhythmus extremer Vorfälle.
Die Sieger von morgen sind Länder mit widerstandsfähigen Volkswirtschaften. Der englische Spruch „Never let a good crisis go to waste“ unterstreicht, dass Krisen genutzt werden sollten, um notwendige Reformen anzugehen. Viele europäische Staaten haben jedoch dringende Anpassungen hinausgezögert.
Unser Wohlstand ist zunehmend durch Kriege, geopolitische Spannungen und die Grenzen der Globalisierung bedroht. Die USA kämpfen um ihre Vorherrschaft gegenüber einem aufstrebenden China, das westliche Märkte mit Produkten von Kleidung bis hin zu Elektroautos überschwemmt. Chinas Exportüberschuss erreicht rekordhohe 1.200 Milliarden Dollar.
Die US-Industrie hat unter der chinesischen Konkurrenz gelitten, was Trumps Wahlsieg und den darauffolgenden Handelsstreit befeuerte. Europa wird zunehmend von der chinesischen Industriekonkurrenz betroffen; in Deutschland sind 50.000 Autobranche-Jobs verloren gegangen.
Die Weltwirtschaft steht vor einem Prüfstand, unabhängig vom Ausgang des Ölschocks. Nassim Taleb spricht von „Antifragilität“ als Anleitung für eine nicht vollständig verstandene Welt. Der Mensch neigt dazu, die Welt geordneter zu sehen, als sie ist.
Um wirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger zu machen, sollten drei Faktoren beachtet werden: Vermeidung einseitiger Abhängigkeiten, Förderung freier Marktkräfte und Aufrechterhaltung gesunder Staatsfinanzen. China hat beispielsweise durch diversifizierte Allianzen und strategische Vorräte seine Versorgungssicherheit gestärkt.
Marktkräfte ermöglichen Innovationen, wie während der Covid-Pandemie bei Impfstoffentwicklungen oder der Digitalisierung. Europa hinkt jedoch hinterher; die USA sind führend in neuen Technologien.
Derzeit könnten steigende Öl- und Gaspreise Marktsignale für den Umstieg auf erneuerbare Energien verstärken, während politische Forderungen nach Preisdeckeln oder staatlichen Prämien eher hinderlich sind.
Gesunde Staatsfinanzen bieten tiefe Zinsen, fördern Investitionen und stützen die Währung. Trotzdem explodieren Staatsschulden; in den USA wird für dieses Jahr ein Haushaltsdefizit von 6,5 Prozent des BIP erwartet.
In Europa belasten teure Rentensysteme die Staatskasse. Der Luxus früherer Renteneintritte wie in Frankreich verschlechtert die Arbeitsanreize.
Mit dem Krieg im Iran und den Herausforderungen der WTO ist klar: Die westlichen Länder müssen sich auf Wohlstandsverlust vorbereiten, da die Weltwirtschaft fragmentiert. Europa muss seine Volkswirtschaft stärken, anstatt Bürger vor Unsicherheiten zu schützen.
Der Staat sollte darauf abzielen, die Wirtschaft fit für jede neue Weltordnung zu machen und Innovationen fördern – unabhängig von Ölpreisschwankungen.