Der Konflikt im Nahen Osten und die Seeblockade in der Straße von Hormus führen zu Versorgungsengpässen bei wichtigen Rohstoffen. Diese Situation spiegelt sich bereits in den steigenden Benzin- und Dieselpreisen wider. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass auch Alltagsprodukte bald deutlich teurer werden könnten.
Der weltweit größte Kondomhersteller Karex kündigt eine Preiserhöhung um 20 bis 30 Prozent an. Firmenchef Goh Miah Kiat erklärte gegenüber Reuters: «Wir haben keine andere Wahl, als die Kosten an unsere Kunden weiterzugeben.» Dies sei auf gestörte Lieferketten und höhere Rohstoffpreise für synthetischen Kautschuk und Silikonöl zurückzuführen.
Ein Bericht der FAO der Vereinten Nationen weist darauf hin, dass die Preise für Pflanzenöle und Zucker seit Beginn des Konflikts angestiegen sind. Als Hauptursache nennt die Organisation erhöhte Energie- und Transportkosten entlang der Lebensmittelversorgungskette.
Ob sich diese Preissteigerungen auch in den Schweizer Supermärkten widerspiegeln, bleibt ungewiss. Experten warnen jedoch vor mittelfristigen Auswirkungen durch gestiegene Düngerpreise auf die Lebensmittelpreise, wobei Länder mit hoher Kaufkraft weniger betroffen seien.
Prisca Huguenin-dit-Lenoir von der Migros-Medienstelle erklärte gegenüber SRF: «Dank unserem Fokus auf Schweizer und europäische Produkte sehen wir aktuell keine unmittelbare Gefahr für signifikante Preissteigerungen.» Dennoch seien bei bestimmten Produkten wie exotischen Früchten, Gewürzen oder Nüssen Preisveränderungen möglich, falls globale Lieferketten gestört werden.
Auch in der Kosmetikindustrie zeichnen sich höhere Preise ab. Simone Dominici von Kiko betonte die steigenden Energiekosten und Lieferverzögerungen als treibende Faktoren, ergänzt durch erhöhte Kosten für chemische Komponenten aus dem Nahen Osten.
Einige Unternehmen versuchen, die Störungen zu umgehen. Fabio Franchina von Framesi erwähnte, dass alternative Transportrouten, wie der Versand nach Dschidda oder Luftfracht, geprüft werden. Dies könnte jedoch zusätzliche Kosten verursachen.
Der Konflikt hat erhebliche Auswirkungen auf die Chipindustrie und elektronische Produkte. Ein Engpass bei Helium, einem wichtigen Edelgas für die Chipherstellung, ist ein Hauptgrund. Die Produktion in Katar ist gedrosselt und der Transport aus dem Nahen Osten erschwert.
Zudem hängt die energieintensive Chipproduktion in Taiwan und Südkorea von Energieimporten aus dieser Region ab, was zu höheren Betriebskosten führt. Dies könnte eine globale Chipkrise verursachen, mit Auswirkungen auf Elektronik- und Automobilhersteller sowie Smartphone-Produzenten, wodurch die Preise aller mit Computerchips ausgestatteten Produkte steigen könnten.
SRF 4 News, 23.4.2026, 9 Uhr