Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat fünf der acht Verdachtsfälle auf dem Expeditionsschiff “Hondius” als bestätigte Hantavirus-Infektionen gemeldet. Drei Fälle bleiben weiterhin unbestätigt, so WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Pressekonferenz in Genf. Er warnte, dass aufgrund der bis zu sechs Wochen langen Inkubationszeit des Andes-Virus weitere Infektionen möglich sind. Die Behörden überwachen daher die Kontaktpersonen häufig über mehrere Wochen hinweg. Trotzdem wird das Risiko für die breite Öffentlichkeit als gering eingestuft; es handele sich weder um eine Epidemie noch um eine Pandemie, wie die WHO versichert.
Die “Hondius”, unter niederländischer Flagge fahrend mit etwa 150 Besatzungsmitgliedern und Passagieren an Bord, steuert auf Teneriffa zu und soll dort am Sonntag eintreffen. Nachdem erste Infektionen gemeldet wurden, machte das Schiff vor Kap Verde Halt; bisher sind drei Menschen im Zusammenhang mit dem Ausbruch verstorben.
Eine KLM-Flugbegleiterin befindet sich in Amsterdam mit leichten Symptomen unter Beobachtung. Sie hatte Kontakt zu einer niederländischen Passagierin, die später an Hantavirus verstarb. Die Frau wurde von der Crew am Einstieg gehindert und wird nun vom Gesundheitsamt beobachtet.
Ein Schweizer Reisender, der das Schiff auf St. Helena am 24. April verlassen hatte, ist in einem Universitätsspital in Zürich stabil behandelt worden. Auch in Großbritannien werden mehrere Passagiere überwacht; zwei britische Gäste befinden sich nach Verlassen des Schiffs auf St. Helena in Selbstisolation ohne Symptome.
In Spanien sind 14 Passagiere geplant, die beim Eintreffen auf Teneriffa unter Quarantäne gestellt werden sollen. Gesundheitsministerin Mónica García betonte, dass eine freiwillige Isolation angestrebt, aber auch angeordnet werden kann.
Auf der “Hondius” arbeiten nun zwei niederländische Infektiologen und Epidemiologen an Bord; aktuell zeigt niemand Symptome. Als Ausgangspunkt des Virus wird Südargentinien vermutet, von wo die “Hondius” in Ushuaia Ende März ausgelaufen war. Argentinische Behörden untersuchen lokale Nagetiere auf das Virus. Übertragungen beim Andes-Typ sind laut WHO auch zwischen Menschen möglich.