In den frühen 1980er Jahren arbeitete ich im Lebensmittel-Detailhandel, wo mein Arbeitstag um 6:30 Uhr begann und durch unplanbare Pausen geprägt war. Die Filiale öffnete um 7 Uhr, und der Arbeitsalltag dauerte bis zum Aufräumen nach Ladenschluss um 18:30 Uhr – eine wöchentliche Arbeitszeit von 44 Stunden.
Heute arbeite ich in einer anderen Branche, mit 40 Wochenstunden Vollzeit. Die Arbeitssituation ist flexibler geworden, mit festeren Zeiten oder eigenem Ermessen und häufiger Telearbeit – eine Entwicklung, die seit vielen Jahren anhält.
Die Teilzeitarbeit hat stark zugenommen: Während 1960 nur vier Prozent der Schweizer Erwerbstätigen unter 90 Prozent arbeiteten, waren es 2024 bereits 39 Prozent. Rund 59 Prozent der Frauen und etwa 21 Prozent der Männer wählen ein reduziertes Pensum vor allem wegen familiärer Verpflichtungen.
Mit steigendem Alter wächst die Teilzeitquote, besonders in Dienstleistungsberufen, im Verkauf oder bei Hilfsarbeitskräften. Die Schweiz hat nach den Niederlanden die zweithöchste Teilzeitquote Europas, während der EU-Durchschnitt unter 20 Prozent liegt.
Seit dem Eidgenössischen Fabrikgesetz von 1877 und dem Landesstreik von 1918 ist die Wochenarbeitszeit kontinuierlich gesunken. Wurden 1900 jährlich mehr als 3000 Stunden geleistet, waren es 2025 nur noch durchschnittlich 1600 aufgrund der steigenden Teilzeitarbeit. Die Schweiz verzeichnete 2024 eine Vollzeitstundenanzahl von 1812 pro Jahr.
Seit den 1960er Jahren hat sich die Fünf-Tage-Woche etabliert, und zwischen 1950 bis 1990 reduzierte sich die Wochenarbeitszeit auf unter 40 Stunden. Die durchschnittliche Arbeitszeit sank von 48,2 Stunden (1950) auf 33,6 Stunden (2022).
Die Teilzeitarbeit wird auch durch höheren Ferienanspruch begünstigt: Von einer bis zwei Wochen in den 1950er Jahren erhöhte sich der Anspruch nach mehreren Gesetzesrevisionen auf mindestens drei Wochen. Homeoffice erfuhr durch die Pandemie einen Aufschwung, und 2024 arbeiteten rund 37 Prozent der Erwerbstätigen gelegentlich von zu Hause.
Gabriela Medici vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund betont, dass Flexibilität zwar sinnvoll sein kann, doch viele Arbeitnehmer nach mehr Verlässlichkeit streben – planbare Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Freizeit effektiv zu nutzen. Viele erlebten jedoch das Gegenteil: kurzfristige Planungen oder Überstunden aus Krankheitsfällen bei Kollegen schaffen Belastung.
Flexibilität ist oft mit höherem Einkommen verknüpft, während Niedrigqualifizierte und Branchen wie Gastronomie und Pflege davon weniger profitieren. Caroline Straub von der Berner Fachhochschule erklärt, dass “New Work” nicht nur Homeoffice bedeutet, sondern auch die Schaffung von Arbeitsstrukturen, die den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen.
Laut einer Studie des KOF-Instituts sind Schweizer Stellensuchende bereit, für die Möglichkeit zum Homeoffice auf ein höheres Gehalt zu verzichten. “New Work” beinhaltet mehr als nur Arbeitsplatzgestaltung – es geht um selbstbestimmtes Handeln in der Arbeit.
Straub sieht kaum Nachteile bei flexibleren Arbeitszeiten und -orten. Eine Studie zeigt, dass 80 Prozent der Befragten mehr Flexibilität wünschen würden und ein Drittel eine Reduktion der Arbeitszeit bevorzugt. Ein klarer Rahmen für die Arbeitszeiterfassung ist entscheidend, um Überstunden zu vermeiden.
Während die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit zunahm, beobachten deutsche Studien eine Abnahme der Erwartungen an ständige Erreichbarkeit. Gewerkschafterin Medici weist darauf hin, dass moderne Familien oft ein Gesamtpensum von 140 Prozent benötigen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Quellen: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung 2024 (Bundesamt für Statistik), “Arbeitsbedingungen, die krank machen” (Schweizerischer Gewerkschaftsbund, 02.02.2026), Studie zur Arbeitszeitflexibilisierung des WSI.