Frank und Patrik Riklin, zwei Künstler aus St. Gallen, haben in Zusammenarbeit mit den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW) die «Linie Null» eingeführt. Dieses Kunstprojekt startete am Bahnhof von Baden und bietet ziellose Fahrten durch die Region an. Frank Riklin, 52 Jahre alt, beschreibt den Moment als besonders erfüllend: «Das ist ein schöner Moment. Wir müssen das geniessen.» Mit diesem Bus sollen Optimierungswahn und gesellschaftliche Isolation bekämpft werden. Die Brüder sind bekannt für ihre provokativen Kunstaktionen, wie die Eröffnung eines Null-Stern-Hotels in Teufen 2009 oder die Verwandlung von Städten in riesige Picknickplätze. Auch das Halbieren von Sitzbänken in Schaffhausen zog Aufmerksamkeit auf sich, jedoch ohne die erhoffte gesellschaftliche Revolution. Am Donnerstagmittag begann der Busbetrieb mit etwa 15 Fahrgästen im Alter von 55 Jahren und einem Teenager. Der gutgelaunte Busfahrer begrüsste die Passagiere zur «Premierenfahrt» und animierte sie, über Gott und die Welt zu plaudern. Während der Fahrt entstand eine einzigartige Atmosphäre aus Kaffeefahrt-Feeling und Oktoberfest-Stimmung. In einem Tunnel schalteten die Passagiere ihre Handys auf Blitzlicht an, während Helene Fischers Hit «Atemlos» gespielt wurde. Der Busfahrer, der spontan das Stelleninserat über den Lautsprecher abspielte, sorgte für Begeisterung unter den Fahrgästen. Die Riklins sehen in ihrer Aktion eine Kritik am Optimierungswahn und an der Smartphone-Fokussierung. Sie wollen Menschen ermöglichen, bewusst miteinander zu interagieren und neue Realitäten zu erleben. So erzählt ein älterer Mann einer Frau von seinen Erinnerungen an die vorbeiziehende Landschaft. Obwohl geplant war, dass der Bus sechs Monate fahren sollte, reichen nun nur drei Wochen, da nicht genug Geld zusammengekommen ist. Die Kosten werden privat getragen. Frank Riklin träumt davon, dass andere Verkehrsbetriebe in der Schweiz ähnliche Projekte umsetzen und Ärzte Fahrten auf der «Linie Null» verschreiben. In diesen drei Wochen können Interessierte kostenfrei an den dreimal wöchentlich stattfindenden Fahrten teilnehmen.