Laut einer Umfrage von GFS Bern, an der etwa 2000 Personen teilnahmen, empfinden ein Drittel der Befragten das System als «eher nicht gerecht», und bei 18 Prozent steht fest, es sei «überhaupt nicht gerecht». Die soziale Schere in Bezug auf Gerechtigkeitsempfinden ist größer geworden, wie der “Beobachter” berichtet. Ein wesentlicher Faktor für diese Wahrnehmung ist das Einkommen: 67 Prozent der Besserverdiener sind mit dem System zufrieden, während es bei den Geringverdienenden nur 25 Prozent sind. Im Vergleich zu 2024 hat sich der Anteil derer, die sich als gerecht behandelt ansehen, von 68 auf 56 Prozent verringert.
Cloé Jans vom Institut GFS Bern verweist darauf, dass es letztlich darum gehe, wer profitiert und wer belastet wird. Die Kostenfrage – sei es bei Mieten, Krankenkassenprämien oder der AHV – dominiere die öffentliche Debatte. Das persönliche Budget gerate zunehmend unter Druck, während politische Diskussionen um Milliardenprojekte geführt werden. Jans merkt an, dass immer weniger Menschen daran glauben, dass Leistung zwangsläufig zu Wohlstand führe.
Hohe Prozess- und Anwaltskosten sind neben Umwelt- und Gleichstellungsfragen ein weiteres großes Anliegen für 81 Prozent der Befragten. Die Angst wächst, dass in der Schweiz Gerechtigkeit käuflich sei. Trotz dieser Bedenken bleibt das Vertrauen in den Kern des Staates stabil. Die Schweizer Gesellschaft ist zwar umstritten, doch diese Diskussionen finden auf einem gemeinsamen Fundament von Demokratie, Freiheit und Bildung statt.
Tagesschau, 27.04.2026, 19:30 Uhr; sda/horm; geta