Die Diskussion über die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf den Arbeitsmarkt ist geprägt von einem Spannungsfeld zwischen Hype und Alarmismus. In diesem Kontext geben zwei Informatikexperten der ETH Zürich, Professor Adrian Perrig und Dozent Malte Schwerhoff, Einblicke in die Realität des Marktes und die Grenzen der KI. Sie betonen, dass trotz fortschrittlicher Fähigkeiten von KI-Systemen die menschliche Expertise weiterhin unverzichtbar bleibt. KI kann zwar Code schreiben und Sicherheitslücken identifizieren, doch ist sie noch weit entfernt davon, Programmierer gänzlich zu ersetzen. Perrig vergleicht das Programmieren mit Möbelbau: Obwohl KI eine Rolle spielen kann, benötigt man weiterhin menschliches Know-how für komplexe Anforderungen und Wartung der Software. Schwerhoff unterstreicht die Bedeutung eines tiefen Verständnisses des Nutzungskontextes von Software – ein Bereich, in dem KI noch Defizite aufweist. KI-generierte Codes können fehlerhaft sein oder neue Schwachstellen erzeugen, was menschliche Eingriffe zur Qualitätssicherung erforderlich macht. Perrig weist darauf hin, dass die Komplexität von Code und seine Wartbarkeit ohne menschliches Zutun zunehmend problematisch werden. Schwerhoff ergänzt, dass KI zwar in der Lage ist, Fehler zu finden, jedoch oft zu „geschwätzigem“ Code führt. Das Beispiel des Mythos-Modells von Anthropic zeigt, wie KI auch bisher unbekannte Sicherheitslücken aufdecken kann. Perrig sieht darin eine Ergänzung menschlicher Fähigkeiten und nicht deren Ersatz. Die zukünftigen Aussichten für Informatikabsolventen seien trotz des Wachstums der KI-Technologie positiv, da die Nachfrage nach IT-Fachleuten weiter steigen könnte. Trotz öffentlicher Bedenken bezüglich der Konkurrenz durch KI für Absolventen sehen Perrig und Schwerhoff keine grundlegend negativen Auswirkungen. Die ETH Zürich fördert kritisches Denken, das in einer von IT-Systemen geprägten Welt unerlässlich ist. Veränderungen im Curriculum beinhalten verstärkte Nutzung der KI durch Studierende sowie Projekte, die Kreativität und technisches Verständnis fördern. Die ETH positioniert sich als Gegengewicht zu den großen Tech-Konzernen und arbeitet an Technologien zur Beschleunigung von KI-Training. Perrig ist skeptisch bezüglich der kurzfristigen Realisierung einer Superintelligenz, während Schwerhoff betont, dass die aktuellen Entwicklungen in der KI zwar beeindruckend sind, aber noch weit entfernt vom Erreichen echter Menschenähnlichkeit. KI-Firmen neigen dazu, ihre Leistungen zu überschätzen und weniger auf die Nachteile ihrer Systeme hinzuweisen. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Technologien ist notwendig, um deren wahres Potential zu erkennen.