In Ftan im Unterengadin plant eine Erbengemeinschaft den Bau von sechs Genossenschaftswohnungen, die vorrangig Familien aus dem Dorf zugutekommen sollen. Zweitwohnungsbesitzer blockieren das Vorhaben jedoch mit Einsprachen. Sie befürchten, dass weitere Bauten folgen könnten und somit ihre Aussicht auf die Bergkulisse sowie der Wert ihrer Liegenschaften beeinträchtigt werden würden. Der zuständige Architekt äußert sich enttäuscht: «Eigentlich ist alles perfekt, doch leider hat es zu Einsprachen geführt, die uns das Bauen bisher verhindern».
In Tourismusgemeinden liegt der Leerwohnungsanteil mit 0.75 deutlich unter dem schweizweiten Durchschnitt von rund 1. Die Miet- und Kaufpreise steigen kontinuierlich an, wodurch es für Einheimische immer schwieriger wird, sich ein Zuhause zu leisten. Die Situation hat sich durch die Covid-Pandemie und die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative weiter verschärft, wie das Bundesamt für Wohnungswesen betont.
Auch in Gstaad im Berner Oberland ist das Problem anerkannt worden: Hier sollen 63 Genossenschaftswohnungen entstehen. Diese sind mit Auflagen verbunden; nur Personen aus der Gemeinde Saanen können einziehen, sofern sie dort arbeiten oder leben.
Der Bund fördert den gemeinnützigen Wohnbau durch einen Fonds, den sogenannten «Fonds de Roulement», welcher Wohnbaugenossenschaften beim Erhalt zinsgünstiger Darlehen unterstützt und somit die Eigenkapitalbelastung reduziert. Bis 2034 soll dieser Fonds von derzeit 750 auf 900 Millionen Franken erhöht werden.
Die SVP forderte eine Verzögerung des Entscheids zur Wohnraumförderung, bis über ihre Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abgestimmt wird, da die Zuwanderung darin eine zentrale Rolle spielt. Der Nationalrat entschied jedoch für eine sofortige Abstimmung und unterstützte diesen Beschluss. Der Ständerat wird in der Sommersession darüber befinden, ob er dem Nationalrat folgt.
In Ftan entstand die Idee zur Wohnraumförderung durch die Bevölkerung; das Bauland stammt aus Gemeindebesitz und im Gegenzug erhält die Gemeinde Genossenschaftsanteile. Auch hier gibt es Einsprachen, sodass unklar ist, wann definitiv gebaut wird.
Das Kompetenzzentrum für gemeinnützigen Wohnungsbau in Bern berät solche Projekte. Daniel Blumer, der Leiter des Zentrums, kritisiert das mangelnde Bewusstsein vieler Gemeinden für die Bedeutung von Wohnbauförderung als Standortförderung. Hohe Bodenpreise und knappe Finanzen stellen zusätzliche Hürden dar.
Im Kanton Zürich wird bereits jede vierte Wohnung dem gemeinnützigen Wohnbau zugeordnet, während dies in den touristischen Kantonen noch eine Herausforderung bleibt. Die Beispiele aus Ftan und Gstaad verdeutlichen, dass der Ausbau von Wohnraum für Einheimische keine leichte Aufgabe ist. Eine Entspannung der Wohnungsmarktsituation in Tourismusgemeinden wird sich nicht kurzfristig abzeichnen.