Das Wiener Burgtheater, bekannt als die beste deutschsprachige Bühne, hat stets bemerkenswerte Schauspieler wie Michael Heltau angezogen. Mit 93 Jahren ist er nicht nur der älteste aktive Repräsentant des Theaters, sondern auch ein wahrer Kenner seiner Geschichte und Gänge. Das Burgtheater feiert heuer sein 250-jähriges Bestehen, obwohl seine Anfänge bis ins Jahr 1748 zurückreichen, als eine Oper von Gluck uraufgeführt wurde. Nach Umbauten erklärte Kaiser Joseph II. das Haus 1776 zum “Teutschen Nationaltheater”.
Das Theater befand sich damals noch nicht an der Ringstraße, sondern am Michaelerplatz und war leicht zugänglich für die kaiserliche Familie. Felix Salten beschrieb es als nahezu Teil des kaiserlichen Wohnbereichs. Maria Theresia soll sogar mitten in einer Vorstellung eine frohe Nachricht verkündet haben.
Das Burgtheater entwickelte sich zu einem exklusiven Ort für höfische Unterhaltung, weit entfernt von politischen Stücken und volkstümlichen Themen. Schauspieler genossen einen beinahe göttlichen Status, der ihnen nach ihrem Tod auch symbolisch mit Trauerzügen Ehre erwies.
Die Geschichte des Theaters kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden: vom Bau des Prachtbaus am Ring im Jahr 1874 bis zu den zahlreichen Direktoren und deren wechselndem Erfolg. Oft war die Presse ein entscheidender Faktor für den Verbleib oder Abgang eines Intendanten.
Das Burgtheater hat sich durch Zensurperioden, wie im Ständestaat und unter der Nazi-Regierung, hindurchgeschlagen und 1945 schwerste Bombenschäden erlitten. Erst 1955 konnte das restaurierte Gebäude wiedereröffnet werden.
Trotz zahlreicher Höhen und Tiefen bleibt die Leidenschaft des Wiener Publikums für das Burgtheater ungebrochen, auch wenn Kritiker dem Haus Luxus und Realitätsferne vorwerfen. Michael Heltau, der 1967 zum Ensemble stieß, erinnert sich an seine Anpassung an das sogenannte “Burgtheater-Deutsch” und die Herausforderungen des Systems. Er erlebte zahlreiche Direktorenwechsel und prägte das Burgtheater mit bedeutenden Rollen.
Das Burgtheater, einst Privatvergnügen der Kaiser, hat sich zu einer zentralen kulturellen Institution Österreichs entwickelt, deren Geschichte noch lange nachhallen wird.