Ab Montag werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ETH Zürich in einem ehemaligen Baustollen des Furkatunnels, bekannt als Bedrettolab, ein kontrolliertes Erdbeben auslösen. Durch das schrittweise Einführen von Wasser zwischen zwei Gesteinsschichten sollen die Blöcke bewegt werden und so ein Beben der Magnitude 1 hervorrufen oder bis zu 2000 Kubikmeter Wasser in den Fels gepresst sein.
Laut der Risikoanalyse auf der Projektwebseite ist bei einem Erdbeben dieser Stärke mit keinen nennenswerten Schäden zu rechnen, obwohl geringfügige Beeinträchtigungen in unmittelbarer Umgebung nicht ausgeschlossen werden können. Erst ab einer Magnitude von 2.5 seien schwerwiegende Schäden an den Tunneln möglich, was mit einer Wahrscheinlichkeit von rund einem Prozent geschätzt wird.
Die Möglichkeit eines schädlichen Bebens außerhalb des Bedretto-Tunnels liegt nach Angaben der Forscher bei eins zu zehntausend. Diese Quote sei geringer als die Chance, dass ein natürliches Erdbeben im selben Zeitraum spürbare Schäden verursacht oder gar wahrgenommen wird.
Trotz dieser Berechnungen bleibt der Tunnel während des Experiments unbesetzt. Das Experiment selbst wird aus Zürich heraus gesteuert.
Das Forschungsteam plant, durch Messungen direkt am Entstehungsort eines Erdbebens grundlegende Fragen zu beantworten: Was passiert kurz vor einem Beben und was hält es auf? Die erhofften Daten sollen zur Verbesserung der Erdbebenvorhersage beitragen. Bisher bleibt unklar, wie gut Erdbeben vorhersehbar sind, so die Forschenden. Obwohl intensiv nach verlässlichen Vorzeichen gesucht wurde, konnten diese bisher nicht gefunden werden. “Wir können uns nicht darauf verlassen, dass ein Beben am richtigen Ort stattfindet; daher lösen wir es selbst aus,” erklärte Stefan Wiemer von der ETH Zürich und dem Schweizerischen Erdbebendienst bei einer Präsentation der Experimente im Vorjahr.
Quelle: SRF 4 News, 19.04.2026, 17 Uhr; sda/imhm; schm