Die Vorstellung von Neutralität und Frieden prägt das Selbstbild der Schweiz. Doch ein Blick in die Vergangenheit offenbart eine andere Realität, geprägt von Kriegen und Konflikten. Die Historie listet zahlreiche militärische Auseinandersetzungen auf, an denen die Schweiz direkt oder indirekt beteiligt war. Auf Wikipedia sind beispielsweise 212 solcher Einträge verzeichnet.
Diese komplexe Beziehung zur Gewalt und den Konflikten stellt das Landesmuseum Zürich mit der neuen Ausstellung “Wir und der Krieg” dar. Die Schau, die vor drei Jahren konzipiert wurde, beleuchtet nicht nur historische Aspekte, sondern auch deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Denise Tonella, Direktorin des Museums, bemerkt: “Es ist erstaunlich und zugleich tragisch, dass das Thema wieder aktueller geworden ist.”
Ein zentraler Punkt der Ausstellung sind individuelle Schicksale von Kriegsflüchtlingen, repräsentiert durch persönliche Gegenstände, die sie bei ihrer Flucht mitnehmen konnten. Solche Objekte erzählen Geschichten aus den Weltkriegen oder neueren Migrationsbewegungen.
Die Ausstellung hinterfragt zudem gängige nationale Narrationen und stellt traditionelle Selbstbilder infrage. Ein Wandteppich zur verlorenen Schlacht bei Pavia 1525 verdeutlicht, dass auch Niederlagen Teil der Schweizer Geschichte sind.
Ein weiteres Thema ist die Neutralität der Schweiz, die seit dem Dreissigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert eine komplexe Rolle spielte. Während sich das Land aus grossen europäischen Konflikten herauszuhalten versuchte, kämpften gleichzeitig schweizerische Truppen in fremden Diensten. Historiker und Kurator Jose Cáseres Mardones erklärt: “Zu dieser Zeit war das kein Widerspruch.” Heute stellt sich die Frage der Neutralität in einem neuen Licht, etwa im Kontext der Lieferung von Munition an die Ukraine.
Die Schweiz wird oft mit Friedensinitiativen wie dem Roten Kreuz oder den Genfer Konventionen assoziiert. “Wir und der Krieg” will durch vielfältige Aspekte eine Diskussion über die Rolle des Landes in kriegerischen Zeiten anregen. (Quelle: Tagesschau, 15.4.2026, 19:30 Uhr)