Auf seiner ersten Reise in die Region äußerte sich Papst Leo XIV., entgegen der Befürchtungen einiger Skeptiker, gegen Despoten und Tyrannen. Die Ängste vor einem Missbrauch seines Besuchs durch Diktatoren erwiesen sich als unbegründet.
Am letzten vollen Tag seiner Afrika-Reise im Kleinstaat Äquatorialguinea verknüpfte der Papst christliche Kernbotschaften mit politischen Appellen, die von den anwesenden Machthabern nicht unerkannt bleiben konnten. Leo XIV. rief dazu auf, “dem Gemeinwohl zu dienen statt Privatinteressen zu verfolgen und den Graben zwischen Privilegierten und Benachteiligten zu schließen”.
In der Basilika von Mongomo saß Präsident Teodoro Obiang, seit 1979 im Amt und damit weltweit der am längsten regierende Führer. An seiner Seite sein Sohn und designierter Nachfolger Teodorín, in Frankreich wegen Veruntreuung verurteilt. Draußen versammelten sich rund 100.000 Gläubige, um den Papst zumindest auf Bildschirmen zu erleben.
In elf Tagen reiste Leo XIV. durch vier afrikanische Länder: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea. Dies war seine zweite Auslandsreise seit Beginn seines Pontifikats im Mai 2025. Die Reise unterstrich die zunehmende Bedeutung Afrikas für die katholische Kirche.
Leo XIV.s klare Stellungnahmen gegen Korruption, Ressourcenplünderung und Kriegsenden vermittelten politisch sensible Botschaften. So sprach er sich in Anwesenheit von Paul Biya, dem fast ebenso lang regierenden Führer Kamerns, für den Kampf gegen die “Ketten der Korruption” aus.
Die Reise galt als stark politisch geprägt, auch weil Leo vorher in einen Konflikt mit der US-Regierung wegen des Iran-Konflikts geriet. Er kritisierte Donald Trumps Drohung gegen den Iran als “inakzeptabel”, was eine scharfe Reaktion Trumps auf Social Media nach sich zog.
In Algerien, einem überwiegend muslimischen Land und Schauplatz des ersten Papstbesuchs dort, setzte Leo seine theologischen Wurzeln fort. Er führte eine Messe in Annaba, der Stadt des Heiligen Augustinus, dessen Orden er einst leitete.
In Kamerun besuchte Leo den anglofonen Teil als Zeichen für Frieden und verurteilte die Unterdrückung durch “eine Handvoll Tyrannen”. Angola erlebte eine Anklage gegen Despoten, die Ressourcen ausbeuten, während ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt.
Seinen Besuch in Äquatorialguinea krönte Leo mit einem Gefängnisbesuch, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Der Papst versicherte, keine Debatte mit der US-Regierung führen zu wollen, und betonte die Bedeutung seiner Botschaften für das Wohlbefinden Afrikas.
Leo XIV.s Reise zeigte eine Fortsetzung des Engagements seines Vorgängers Franziskus. Mit über 300 Millionen Katholiken ist Afrika ein schnell wachsender katholischer Kontinent, dessen Bedeutung weiter zunehmen dürfte.