In Zürich, wo Quartiersbars selten geworden sind, gilt die «Bar am Egge» im Hottinger Viertel als besonderes Juwel. Während das Sechseläuten zu Ende ging und der Sommer naht, ist es Zeit, der Stadt für ihre erblühte Cocktailkultur Anerkennung zu zollen. Die Zahl und Vielfalt an inspirierenden Bars überrascht in dieser als Kleinstadt eingestuften Finanzmetropole im Vergleich zu Städten wie London oder New York. Von der bodenständigen «Safari-Bar» bis zur eleganten «Bar am Wasser» mit hochkarätigen Drinks ist die Auswahl beachtlich.
Während das Klubsterben beklagt wird, sind Bars zum Herzstück des Nachtlebens avanciert. Allerdings fehlt oft eine offene Theke nach Mitternacht an Wochentagen, was Zürich in gewisser Weise provinziell erscheinen lässt. Die Vielfalt konzentriert sich auf die inneren Stadtkreise 1 bis 5, während Randgebiete selten fündig werden. Daher ist der Erfolg der «Bar am Egge» umso bemerkenswerter.
Diese Bar verzichtet auf Anglizismen und trägt stolz den mundartlichen Namen. Sie lädt fast täglich bis Mitternacht ein, wie an diesem Montag gegen 23 Uhr zu sehen ist, als viele Gäste bei moderatem Blues-Background verweilten. Eine improvisierte Atmosphäre durchbricht die Routine und bietet eine intellektuelle Note.
Die Wände strahlen in kräftigen Farben, die Discokugel erinnert an vergangene Partynächte, und Schallplatten-Cover von «The Sting» bis Mani Matters symbolisieren Stilpluralität. Bier kostet 5 Franken, Espresso 4 Franken und Gin Tonic 14,50 Franken. Einzigartige Signature-Drinks fehlen, außer vielleicht der «Egge Spezial». Der Nachtfalter entschied sich für einen Bràulio.
Hinter dem Lokal steht Simon Hesse, ein ehemals bekannter Filmboss, der nun mit seiner Hesse Film GmbH Erfolge wie Lorenz Merz’ «Soul of a Beast» (2021) feierte. Seit vier Jahren führt er die «Bar am Egge», nachdem er den Geist des Gründerehepaars Andy Grenacher und Regina Hürlimann bewahrt hat.
Als eine «Quartierbar für die ganze Stadt» verstanden, zieht sie Gäste aus verschiedenen Bezirken an. Freitags gibt es Konzerte mit freiem Eintritt von Bossa nova bis Pop, während monatlich das Zürcher Godzilla Trio swingt.
So ist diese Bar eine seltene Kleinbühne ohne Subventionen und ergänzt um eine schöne Außenterrasse. Der Sommer kann kommen, wie groß er auch sein mag.
Bar am EggeAsylstrasse 11, 8032 Zürich |Sonntags geschlossen.
Der Nachtfalter erkundet stets anonym die Bars in Zürich und zahlt selbst seine Rechnungen. Sein Fokus liegt auf lokalen Kneipen mit gelegentlichen Ausflügen ins In- und Ausland.