Tucker Carlson, ehemaliger Moderator bei Fox News und eine der bedeutendsten Stimmen der Neuen Rechten in den USA, hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Jason Zengerle, Autor für ‘The New Yorker’, skizziert in seiner neuen Biografie Carlsons Entwicklung von einem unkonventionellen Journalisten zum umstrittenen Meinungsmacher und sogenannten ‘Antisemiten des Jahres’. Nachdem Carlson 2010 seine Rollen bei CNN, PBS und MSNBC verloren hatte, gründete er das Online-Magazin ‘The Daily Caller’, mit dem er recherchereichen Journalismus an ein konservatives Publikum liefern wollte. Seine Hoffnungen schienen sich jedoch zu drehen, als die Artikel, die den politischen Gegner am brutalsten angreifen, am meisten gelesen wurden – eine Strategie, die Steve Bannon mit ‘Breitbart News’ bereits erfolgreich umgesetzt hatte. Carlson passte daraufhin seinen Kurs an und erlangte schließlich 2016 bei Fox News seine eigene Show. Zengerle beleuchtet Carlsons Kindheit in San Francisco als Sohn einer Künstlerin und des späteren US-Botschafters Dick Carlson, der die Familie verließ, als Tucker acht Jahre alt war. Carlson wuchs mit seinem Bruder im Vorort La Jolla von San Diego auf, wo er auch seine Elitebildung begann. Eine frühe Faszination für das ‘Anarchist Cookbook’ und seine problematische Jugend werden ebenso beleuchtet wie sein Studium am Trinity College durch die Fürsprache seines Schwiegervaters. Als talentierter Journalist schaffte Carlson den Sprung von Printmedien zu TV-Formaten, wo er 1995 durch Zufall bei der Berichterstattung über den O.J. Simpson-Prozess auf CBS debütierte. Seine Rolle im Skandal um Monica Lewinsky katapultierte ihn in die Riege der populären Talkshow-Gäste. Bei CNN wurde er mit 31 Jahren zu einem der jüngsten News-Anchor, obwohl seine Show nicht den gewünschten Erfolg hatte. Carlson fand bei ‘Crossfire’ auf CNN seinen ideologischen Stil und prägte dort eine Debattenkultur, die ihn als Spalter einstufte. Nach kurzen Engagements bei anderen Sendern gründete er den ‘Daily Caller’, veränderte dessen Ausrichtung später jedoch zu einer radikaleren Struktur, die von Zengerle als Brutstätte für weiße Vorherrschaft beschrieben wird. 2016 unterstützte Carlson Donald Trumps Präsidentschaftskampagne, obwohl er ihn kurz zuvor noch kritisiert hatte. Nach dem Wahlsieg bekam er seine eigene Primetime-Show bei Fox News, die er nutzte, um Einfluss auf den Präsidenten auszuüben und politische Gegner zu attackieren. Seine Entlassung 2023 durch Rupert Murdoch nach einer kontroversen Äußerung über Wahlmanipulation führte dazu, dass Carlson die Plattform ‘Tucker Carlson Network’ gründete. Dieses neue Medium erlaubt ihm, seine extremistischen Ansichten und seinen Hass auf Israel ungefiltert zu verbreiten. Seine Auseinandersetzung mit antisemitischen Themen brachte ihm den Titel ‘Antisemit des Jahres’ ein. Trotz anfänglichen Erfolgs scheint sein Einfluss abzunehmen, da er Trumps Entscheidungen zunehmend kritisiert und auch von dessen Anhängern enttäuscht wird.