Männlichkeits-Influencer wie Andrew Tate ziehen mit radikalem Gedankengut die Aufmerksamkeit von Jungen auf sich. Viele Bildungseinrichtungen reagieren darauf mit speziellen Kursen zur Sensibilisierung.
Andrew Tate, bekannt für seine frauenverachtenden und rechtsextremen Äußerungen, ist eine zentrale Figur in der sogenannten “Manosphere”, einer Online-Szene, die radikale Geschlechterrollen propagiert. Experten wie Markus Theunert warnen vor dieser weit verbreiteten Bewegung.
In den sozialen Medien sind Schweizer Jugendliche schnell mit diesen Ideologien konfrontiert: “Mit ein paar Klicks tauchen Andrew Tate und ähnliche Figuren in der Timeline auf,” erklärt ein Experte. Auch der Bundesrat setzt sich nun mit diesem Thema auseinander, Justizminister Beat Jansens unterstützt ein Projekt zur Aufklärung der Eltern über die Gefahren.
Tate ist unter anderem wegen Menschenhandels angeklagt und steht in weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen. Er verbreitet antisemitische und rechtsextreme Verschwörungstheorien, darunter den Vorschlag, den Hitlergruss wieder einzuführen.
In Zürich wurde eine neue Fachstelle für “geschlechterreflektierte Jungenarbeit” ins Leben gerufen. Die Organisation “Oh Boy” bietet Kurse an Schulen und in verschiedenen Gemeinden an, um Gewaltprävention zu betreiben und über Geschlechterrollen aufzuklären.
Michael Koger von der Fachstelle betont die Notwendigkeit frühzeitiger Prävention. Die Kurse vermitteln, dass Männlichkeit vielfältig ist und nicht einem starren Bild entsprechen muss. Sie sollen Jungen helfen, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen.
Anstatt Influencern direkt entgegenzutreten, wird diskutiert, warum Jugendliche solche Figuren anziehend finden. Koger teilt eigene Erfahrungen und bietet Vorbilder für eine respektvolle Männlichkeit.
In den Workshops werden Alltagssituationen nachgespielt und analysiert. Beispielsweise wird diskutiert, warum ein kurzer Rock als Einladung zu übergriffigem Verhalten gesehen werden könnte. Dieser Ansatz zielt darauf ab, gewaltbegünstigende Normen zu erkennen.
Koger und sein Team setzen auf Theater und Rollenspiele, um Jungen alternative Wege zur Bewältigung von Konflikten aufzuzeigen. Trotz der neuen Fachstelle verfügen sie bereits über Erfahrung mit Workshops für 12- bis 25-Jährige.
Die Nachfrage ist groß: Für das laufende Jahr gibt es bereits 50 Buchungen, und auch Anfragen für neue Kurse in der vierten Klasse sind eingegangen. Die Kurse werden in verschiedenen schulischen Umfeldern durchgeführt, von Dorfschulen bis zu städtischen Gymnasien.
Koger beobachtet keine Unterschiede im Interesse zwischen ländlichen und städtischen Gebieten. Auch wenn manche Jungen Widerstand zeigen oder Vorwürfe erheben, ist die Aufklärung über gesellschaftliche Erwartungen an Männer ein zentrales Thema. Die Fachstelle vermittelt, dass Männlichkeit nicht mit Gefährdung verbunden sein muss.
Durch praxisorientierte Ansätze werden Jungen dazu inspiriert, ihre eigene Vorstellung von Männlichkeit zu entwickeln, die frei von den Einflüssen radikaler Influencer ist.