Die Schweizer Tox Info Suisse und die Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (VAPKO) warnen eindringlich vor gesundheitlichen Gefahren beim Verzehr von Morcheln. In den vergangenen zwölf Monaten wurden mehrere schwere Vergiftungsfälle gemeldet, nachdem Personen Morcheln zu kurz gekocht hatten. Vier Betroffene erlitten ernsthafte Erkrankungen.
Laut Mitteilung treten die Beschwerden vor allem bei Gerichten wie Risotto oder Saucen auf. Es wurden nicht nur frisch gesammelte, sondern auch getrocknete und tiefgekühlte Morcheln aus dem Handel als Ursache identifiziert. Diese Pilze dürfen roh keinesfalls verzehrt werden.
Die Experten raten dazu, Morcheln korrekt vorzubereiten: Getrocknete Exemplare sollten eingeweicht und tiefgekühlte aufgetaut werden, bevor sie mindestens 20 Minuten gekocht werden. Frische Morcheln sind idealerweise zu trocknen, einzulegen und dann ebenfalls ausreichend zu kochen. Der rohe Verzehr wird strikt abgeraten.
Tox Info Suisse beschreibt zwei Arten von Vergiftungen: Zum einen neurologische Symptome wie Schwindel und Sehstörungen, die fast ausschließlich nach dem Konsum frischer Morcheln auftreten. Diese Beschwerden klingen in der Regel innerhalb eines Tages ab.
Deutlich gefährlicher sind Magen-Darm-Beschwerden infolge roher oder unzureichend gegarter Morcheln, die sich durch Bauchkrämpfe, Erbrechen und Durchfälle kurz nach dem Essen äußern können. In seltenen Fällen kann dies zu lebensbedrohlichen Komplikationen bis hin zum Volumenmangelschock führen.
Bislang sind in der Fachliteratur acht Todesfälle dokumentiert, zwei davon wurden von Tox Info Suisse registriert. Seit 2014 meldete die Organisation sieben schwere Vergiftungsverläufe, vier davon innerhalb des letzten Jahres. Ob dies eine tatsächliche Zunahme darstellt oder zufällig häufiger auftritt, bleibt unklar.
Im Falle von plötzlichen Magen-Darm-Problemen empfiehlt Tox Info Suisse sofortigen Kontakt über die Notfallnummer 145. Bei schweren Symptomen sollte zusätzlich der Rettungsdienst unter 144 angerufen werden.