Trotz schwacher Märkte und politischer Unsicherheiten zieht die Watches and Wonders in Genf zahlreiche Besucher und Marken an. Die Messe, die sich seit ihrer Neugestaltung durch Rolex und Richemont im Jahr 2021 positiv entwickelt hat, steht exemplarisch für die aktuellen Trends der Branche.
In den Hallen von Palexpo treffen Händler, Journalisten und Markevertreter aufeinander. Seit dem Start am Dienstag haben sich bereits zahlreiche Besucher eingefunden und ab diesem Wochenende können auch Privatbesucher teilnehmen. Parallel dazu belebt die Stadt mit Konzerten, Ausstellungen und Workshops.
Die Watches and Wonders hat eine neue Dimension erreicht: Sie fungiert nicht nur als Handelsplattform, sondern auch als Ort des Wissensaustauschs, vergleichbar mit Universitäten, wie Messepräsident Cyrille Vigneron betont. Diese Entwicklung wird unter anderem durch die Teilnahme von Audemars Piguet deutlich, deren Stand sich mehr auf Geschichte und Kultur der Uhrmacherei konzentriert.
Die Zusammenarbeit in der Branche zeigt sich auch daran, dass große Häuser wie Rolex oder Richemont einen erheblichen Teil der Kosten tragen. Kleinere Marken profitieren davon mit einem reduzierten Eintrittspreis von rund 34’000 Franken und können ihre Neuheiten vor Messebeginn präsentieren.
Die Uhrenindustrie steht jedoch unter Druck: Der chinesische Markt ist um ein Drittel eingebrochen, und Unsicherheit herrscht in den USA aufgrund der Zollpolitik. Etliche Marken haben Kurzarbeit eingeführt. Auch die Unruhen im Nahen Osten beeinträchtigen die Branche, obwohl Saudiarabien als Ausnahme gilt.
Die Messe selbst ist laut Vigneron von den politischen Spannungen kaum betroffen gewesen. Händler nahmen große Umwege auf sich, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Trotz schwieriger Verkaufslage versuchen viele, präsent zu bleiben.
Der amerikanische Markt zeigt positive Entwicklungen trotz Zollbelastungen, und kleinere Hersteller berichten von beachtlichen Wachstumsraten. Der starke Schweizer Franken bleibt jedoch eine Sorge für die Branche.
Indien stellt sich als vielversprechender Markt heraus: Große indische Juwelierketten wie Helios und Ethos treiben den Ausbau des Luxussegments voran. Trotz der Chancen warnt Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin vor Risiken aufgrund von Energieimportabhängigkeiten.
Die Watches and Wonders wächst weiter, mit 50 Marken auf der Warteliste und der bevorstehenden Teilnahme von Breitling. Auch die Swatch Group zeigt erste Annäherungen an die Messe, was deren Bedeutung als führende Plattform in der Uhrenindustrie unterstreicht.